Der Fall Pinzner: tragisches Jubiläum


Ein historisches Foto von der Festnahme Pinzners ist im Polizeimuseum zu sehen

Als Werner Pinzner im April 1986 als tatverdächtiger Auftragsmörder in fünf Fällen von Polizeibeamten der im Mai 1985 gegründeten SOKO 855 festgenommen wird, ahnt niemand, dass sein kaltblütiges Morden weitergehen wird. In diesem Jahr ist es 35 Jahre her, seitdem Werner „Mucki“ Pinzner seine letzte Bluttat verübte: Bei einer Vernehmung im Polizeipräsidium feuerte er zunächst auf den Staatsanwalt und dann auf seine Frau Jutta. Dann richtete er die Waffe auf sich selbst…Heute gibt ein Teil der Ausstellung im Polizeimuseum Hamburg Einblick in diese Tat.

Es ist der 29. Juli 1986, als er zum Abschluss der Ermittlungen ein letztes Mal im Polizeipräsidium am Berliner Tor vernommen werden soll. Mit der Mitwirkung seiner Anwältin, die den späteren Schusswaffengebrauch ermöglicht, rechnete damals niemand.

Auch der Revolver der Marke „Smith & Wesson“ , mit dem Pinzner die Tat im Polizeipräsidium begann, ist im Museum zu sehen

Die Entscheidung, die Ehefrau Pinzners an der Eingangskontrolle im Polizeipräsidium nicht durchsuchen zu lassen, wird die tragische Wendung im Fall „Pinzner“ einleiten: Die Rechtsanwältin verbürgte sich an diesem Tag für die Ehefrau ihres Mandanten und wendete damit deren Durchsuchung ab. So konnte der Revolver, dicht am Körper der Ehefrau versteckt, ins Präsidium und dort ins Vernehmungszimmer 418 geschmuggelt werden.

Die Bluttat im Präsidium

Dort nahm Pinzner die eingeschmuggelte Waffe aus der Handtasche seiner Frau und stand auf, um aus nächster Nähe zu schießen. Der Staatsanwalt erhob sich, um Pinzner vom Gebrauch der Waffe abzuhalten, wurde jedoch sofort von ihm angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Er verstarb später im Krankenhaus. Die vernehmenden Kripobeamten konnten unverletzt aus dem Raum flüchten. Dann erschoss Pinzner seine eigene Frau und richtet schließlich die Waffe gegen sich selbst, um Suizid zu begehen: Der perfekt inszenierte Abgang eines Auftragsmörders.

Dieser Fall führte später zu weitreichenden Sicherheitsvorkehrungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Als weitere Konsequenz dieses Ereignisses traten außerdem die Justizsenatorin und der Innensenator zurück.

In der Ausstellung im Polizeimuseum Hamburg berichten zwei Ermittler der Sonderkommission von ihren Vernehmungen im Fall Pinzner und erinnern sich rückblickend an die Situation, als die Schüsse im Polizeipräsidium fielen. Die Wortbeiträge sind an einer Audiostation zu hören. Ergänzt werden diese Zeitzeugen-Interviews um eine Tonbandaufnahme vom 30. April 1986, als Pinzner im Untersuchungsgefängnis vernommen wurde. Ausgestellt ist unter anderem der geschmuggelte Revolver (Smith & Wesson), mit dem Pinzner im Vernehmungszimmer Staatsanwalt, Ehefrau und sich selbst hinrichtete.

Polizeimuseum Hamburg
Carl-Cohn-Straße
22977 Hamburg
Öffnungszeiten:
dienstags, mittwochs, donnerstags, sonntags 11 bis 17 Uhr
Hotline: 040-4286 – 680 80