Schon schön hier: „Beauty“ im Museum für Kunst und Gewerbe

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh sind Grafik-Designer, die an die Macht der Schönheit glauben. Die in der Branche verbreitete Formel Schönheit = oberflächlich, altmodisch, kommerziell entkräften sie mit ihrer Ausstellung „Beauty“, die zurzeit im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen ist.

„Wir glauben an die Schönheit und das sie in uns allen tief verwurzelt ist und Einfluss auf unser Leben, unser Wohlbefinden und unser Verhalten hat“, so das Credo. Viele Aspekte des öffentlichen Lebens werden in dieser schön gestalteten und gut kuratierten Ausstellung reflektiert. Der Mensch und seine persönliche Neigung zum Schönheitsideal, (Venus, Schönheitschirurgie) nicht!


Der gewählte Ausstellungstitel „Beauty” ist ein leidenschaftliches Bekenntnis der Lust am Schönen.
Schönheit lässt Kriminalitätsraten sinken, Schönheit verändert das Verhalten der Menschen. Dafür gab es auch Beispiele. In der albanischen Hauptstadt Tirana ließ der Bürgermeister die Häuser farbig gestalten und senkte die Kriminalitätsrate. Favelas in Sao Paulo, farbig inszeniert, schaffen Identität und verändern das Verhalten. Urbane Konzeption der Umgebung lässt den Menschen reflektierter handeln. Das einfache Beispiel der Gegenüberstellung der U-Bahnstationen München und Moskau lässt den Betrachter in einer einfachen Simulation im 1Og des MKG daran teilhaben.

Die Inszenierung und Einbindung vieler Gegenstände aus dem Museumsbestand macht aus der Ausstellung eine unterhaltsame Expedition in einen schönen Kosmos. Die interaktive Einbindung lädt alle Sinnesorgane mit ein. Die Schönheit liegt hier dank der Mitmachaktionen sogar in der Luft. Der hörbare Sinnesgenuss wird via Vinyl und den Hörstationen im schwarzen Raum erlebbar. Der Song „Heart” von Darkside wird hier im richtigen Umfeld abgespielt. Nehmen Sie Platz! Als Grafiker darf das Bekenntnis zum gestaltetem Cover nicht fehlen.

Das Treppenhaus des MKG ist die große Spielwiese des Gestaltungsduos. Der interaktive Schwalbenschwarm mittels dreier Regler vermittelt die Schönheit der Schwarmchoreografie. Die mittels kleiner Ventilatoren angetriebene Tüteninstallation, hier werden Müllbeutel auf und wieder leergepumpt, vermittelt ebenfalls die Schönheit der Choreografie auf sehr vergnüglicher Weise. Durch eine Lichtinstallation als Regenwand geht es weiter. „Sind Sie chromophob? Oder lieben Sie Farben?“

Ein Ausstellungshighlight ist das raumgreifenden Objekt „From Garbage to Functional Beauty” des Designers Thierry Jeannot in Kooperation mit mexikanischen Müllsammler*innen. Installiert im Raum „Transformierenden Schönheit”, hier bleiben die platzierten Modeobjekte des MKG etwas zurück aber es wird klar, dass Schönheit Potenzial hat, die Welt zu verbessern.

Wie Tulga Beyerle die Direktorin des MKG sagt: „Ein neuer Blick auf unsere Sammlung, eine Bereicherung in einer Umwelt, die von DIN-Normen in ein Korsett gepresst, nur darauf ausgerichtet ist, dass sie möglichst sicher und effektiv zu reinigen ist.” Eine Lektion der Achtsamkeit. Die Gesellschaft hat ein Anrecht darauf, dass das Leben nicht nur praktisch ausgerichtet ist, sondern auch eben SCHÖN. Schönheit hat auch eine Funktion!


Diese Ausstellung tritt mit dem Publikum in einen wunderbaren Dialog. Einer Ausstellung, der es zu wünschen ist, das sie einen schönen Erfolg für uns ALLE erfährt. Wir wünschen uns aber über die Achtsamkeit hinaus, die jeder im Badezimmer mit sich selbst ausmachen kann, die gesellschaftliche diskursive Auseinandersetzung und den Mut zu mehr Schönem jenseits von Farbe und Form!

Sagmeister & Walsh: Beauty
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr
donnerstags 10 bis 21 Uhr