Medizinhistorisches Museum Hamburg: Cholera, Pocken und Corona

Das Medizinhistorische Museum im Schumacherhaus auf dem UKE-Gelände. ©Adolf-Friedrich Holstein

Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre man ausgelacht worden, wenn man die Vision einer weltweiten Pandemie zum Besten gegeben hätte. Doch das war – wie so vieles andere auch – in der Zeit VOR Corona. Heute wissen die Menschen: Auch die beste medizinische Versorgung kann eine Pandemie nicht verhindern. Allerdings haben wir heute, im Vergleich zu früheren Zeiten, die deutlich bessere, medizinische Versorgung. Das kann man auch im Medizinhistorischen Museum Hamburg gut nachvollziehen.

Mehr als 400 Tote – an einem Tag!

Dort widmet sich die Dauerausstellung „Die Entstehung der modernen Medizin“ nämlich auch den Infektionskrankheiten. Da darf das Thema Cholera nicht fehlen. Diese Krankheit hat auch in Hamburg entsetzlich gewütet. Im Flur vor dem Eingang zur Dauerausstellung sieht der Besucher ein Porträt von Eugen Fränkel. Der Pathologe spielte in der Cholera-Epidemie von Hamburg eine entscheidende Rolle…

In den Hamburger Gängevierteln lebten die Menschen dicht an dicht – und in bitterer Armut. ©Denkmalschutzamt FHH

In der Nacht vom 16. auf den 17. August 1892 wurde ein 24-jähriger Maurergeselle nach dem Trinken von Elbwasser mit schweren Durchfällen und Erbrechen ins Eppendorfer Krankenhaus eingeliefert. Da Fraenkel im Urlaub war, übernahmen der ärztliche Direktor Theodor Rumpf (1851-1934) und sein Sekundärarzt Theodor Rumpel (1862-1923). Sie legten Gelatinekulturen an, doch gelang es ihnen nicht, die Erreger der Cholera mit Sicherheit nachzuweisen. Rumpel, der erst seit fünf Monaten seine leitende Stelle innehatte, wagte es wegen der möglicherweise weitreichenden Konsequenzen nicht, den Verdacht auf Cholera weiterzugeben. Das tat einige Wochen später dann Fränkel, nachdem er eindeutige Nachweise für die Existenz von Cholera gefunden hatte. Somit war er der Mediziner, der es möglich machte, dass die Stadt Hamburg – die sich lange gegen das Vorhandensein der Cholera gesträubt hatte – endlich Hygienemaßnahmen durchführte. Die waren vor allem in den Gängevierteln der Stadt bitter nötig, in denen die Menschen in bitterer Armut und drangvoller Enge leben mussten.

Von Pest und Pocken

Die Seuche stoppen konnte das Engagement von Fraenkel allerdings auch nicht: Hamburg schloss zwar das Tor zur Welt, aber tagtäglich kletterten die Infektionszahlen nach oben – die Quarantäne war viel zu spät erfolgt. Allein am 27, August 1892 sterben mehr als 400 Menschen an der Cholera. Erst nach dieser Seuche war der Hamburger Senat bereit, die maroden und dreckigen Gängeviertel zu sanieren und umfassende hygienische Verbesserungen durchzusetzen.

Moulagen mit den Abbildern seltener Krankheiten. ©Anja Meyer, Foto- und Grafikabteilung UKE

Auch mit einer anderen Geißel der Menschheit hat sich das Medizinhistorische Museum des UKE beschäftigt: der Pest. In der Sammlung der Moulagen (das sind Gesichtsabbilder von Kranken in Wachs) findet sich auch eine mit dem typischen Pest-Furunkel. Während die Pest in Europa als ausgerottet bezeichnet werden kann, taucht diese Erkrankung in Ländern wie Ostafrika, Vietnam oder Indien auch heute noch immer wieder auf.

Anders verhält es sich mit den Pocken, genauer gesagt den Variola-Pocken. Sie gelten weltweit als ausgerottet und auch hier kann man Parallelen zu Corona ziehen. Denn es war die Schutzimpfung, die den Pocken den Garaus machte. Davor jedoch haben allein zu Beginn des 20. Jahrhundert weltweit mehr als 300 Millionen Menschen die Pocken nicht überlebt. Im 18. Jahrhundert betrug die Kindersterblichkeit bis zum fünften Lebensjahr um die 50 Prozent. Eine der wesentlichen Ursachen dafür waren die Pocken. 1874 endlich erließ der damalige deutsche Kaiser Wilhelm I. das Reichsimpfgesetz – und somit eine Impfplicht. Der Erfolg der Maßnahmen spricht bis heute für sich. Doch bereits in den Jahren zuvor wurde gegen Pocken geimpft. Das zeigt ein Impfschein von 1808, der ebenfalls zu den Relikten des Medizinhistorischen Museums gehört.

Medizinhistorisches Museum des UKE
Fritz-Schumacher-Haus (Haus N30.b)
Martinistraße 52
Öffnungszeiten:
samstags und sonntags 13 bis 18 Uhr