Hamburg: Ein Bild und seine Geschichte

Ein Enkelsohn als Galionsfigur

Jeder Hamburger kennt sie: die Rickmer Rickmers, liebevoll grüne Lady genannt, die im Hafen liegt. Das Schiff hat nicht nur eine wechselvolle Geschichte, sondern auch eine ganz besondere Galionsfigur.

Normalerweise schmücken den Bug alter Schiffe Meerjungfrauen, Heiligenfiguren, Fische oder Wappen den Schiffsbug. Bei der Rickmer Rickmers dagegen ist es ein kleiner Junge. Genauer gesagt, der Enkelsohn des Reeders, der dem Schiff auch seinen Namen gab: eben Rickmer Rickmers.

Die Galionsfigur hat unter Seeleuten übrigens gleich mehrere Funktionen: Sie dient als prachtvoller Schmuck aber auch als Schutz vor allerlei Unbill auf dem Meer wie böse Seegeister oder Stürme. Darüber hinaus soll die Galionsfigur den Menschen immer den richtigen Weg weisen.

Dass sich der Firmengründer dazu entschloss, seinem Enkelsohn diese Ehre zukommen zu lassen, ist jedoch nur eine der Besonderheiten der Rickmer Rickmers. Die andere findet sich in unmittelbarer Nähe zur Galionsfigur: Dort sieht man zum einen die Fahne im Schwarz-Weiß-Rot des Deutschen Reiches. Zum anderen aber auch ein Wappen mit dem Initial „R“ für Rickmers und in den Farben Grün, Rot und Weiß. Es sind die Wappenfarben von Helgoland.

Aber warum Helgoland? Immerhin wurde die Rickmer Rickmers doch 1896 in Bremerhaven gebaut, dem Sitz der Reederei. Der Grund für das Helgoländer Wappen: Firmengründer Rickmer Clasen Rickmers war Helgoländer. Als der Brautvater ihm jedoch verbot, seine Freundin Margarethe Reimers zu heiraten, nahm er sie kurzerhand mit von Helgoland aufs Festland. Das Paar zog schließlich nach Bremerhaven und dort wurde auch die Reederei gegründet. Die Liebe zu Helgoland aber blieb. Und deshalb trägt nicht nur der Wappen die Inselfarben, sondern auch der Anstrich des Schiffs.

Von Bremerhaven in die ganze Welt

Der Rest ist (wechselvolle) Geschichte: Das Schiff fuhr als Frachtsegler für die Rickmers Reederei regelmäßig auf der Route Asien – Deutschland. 1904 geriet die Rickmer Rickmers im Indischen Ozean in einen Taifun. Sie verlor Kreuzmast und musste Kapstadt als Nothafen anlaufen.

1912 trennt sich die Reederei Rickmers von allen Segelschiffen. Sie stellte ihre Flotte vollständig auf Dampfschiffe um. Die Hamburger Reederei Krabbenhöft kaufte die „Rickmer Rickmers“ und gibt ihr den Namen „Max“. Sie setzt das Schiff im Salpeterhandel mit Chile ein.

Im Ersten Weltkrieg, genauer gesagt 1916, wird das Schiff von den Protugiesen beschlagnahmt. Sie benannten es in „Flores“ um und stellten es den Engländern zum Transport von Kriegsmaterial zu Verfügung. Nach Kriegsende 1918 setzten die Portugiesen das Schiff bis 1922 weiter als Frachtsegler ein.

Von 1924 bis 1962 schließlich war die Rickmer Rickmers Marineschulschiff und schwimmendes Warenlager. Dann wurde sie ausgemustert und rottete im Hafen Alfeite nahe Lissabon vor sich hin. Dort fand sie der Verein „Windjammer für Hamburg e.V.“, der einen Großsegler als Museumsschiff für den Hamburger Hafen suchte. 1983 wurde das Schiff nach Hamburg geschleppt und dort pünktlich zum Hafengeburtstag am 7. Mai 1983 dem Verein übergeben. Umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen folgten, bis die Rickmer Rickmers in altem Glanz erstrahlte.

Die „grüne Lady“ der Stadt