Typisch Hamburg: Industrieromantik satt

Industrieromantik am Containerhafen
Hafenromantik wie sie schöner nicht sein kann: Hamburgs Containerhafen

GroßeZu den Dingen, die man gemeinhin als „typisch Hamburg“ bezeichnet, gehören nicht nur der Michel, die Elphi oder die Reeperbahn, sondern auch ein ganz besonders Gefühl: Industrieromantik! Das haben Hamburger immer dann, wenn sie beispielsweise an einem Oktoberabend am Altonaer Balkon stehen und von dort aus auf die Elbe blicken. Hoch ragen die Hafenkräne in den Himmel, hell erleuchtet  sind die Kais und die großen Pötte liegen vor Anker. Das sind Momente, die es wirklich nur  hier gibt – und die daran erinnern, dass Hamburg eine lange Tradition als Hafenstadt hat.

Frachtschiff am Containerterminal
Große Pötte, Containeranlagen und die Köhlbrandbrücke: Hamburger Wahrzeichen

Diese begann mit einem knallharten Schwindel. Am 7. Mai 1189 garantierte der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa den Hamburgern die zollfreie Fahrt auf der Unterelbe bis zur Nordsee. Klingt gut, stimmt aber nicht! Der sogenannte Freibrief war nämlich eine Fälschung, für die Hamburger Kaufleute tief in die Tasche greifen mussten. 10.400 Mark kostete die Fälschung – das wären heute fast zwei Millionen Euro. Trotzdem war die Idee ein Erfolg (zumal der Betrug ja lange Zeit nicht entdeckt wurde) und der Hamburger Hafen nahm langsam Fahrt auf. Damals befand dieser sich noch  am Hauptmündungsarm der Alster, heute als Nikolaifleet bekannt. 

Von Pfeffersäcken und Tagelöhnern

Industrieromantik: Containerriese auf der Elbe
Imposanter Anblick: ein Containerriese auf der Elbe

Mit dem Beitritt Hamburgs zur Hanse anno domini 1321 wurde der Hafen immer wichtiger. Zur Blütezeit hatte sich Hamburg  zu einer lebendigen Handelsmetropole gemausert, importierte beispielsweise Stoffe aus Flandern und Wein aus Frankreich. Doch während die Kaufleute (in Hamburg auch Pfeffersäcke genannt) immensen Reichtum anhäufen konnten, schufteten Tagelöhner und Arbeiter in den Hafenanlagen für einen Hungerlohn und lebten mit ihren Familien unter erbärmlichen Verhältnissen. Die Schattenseiten einer reichen Stadt waren auch damals bereits sichtbar.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte auch Hamburg ein neues Exportgebiet: Amerika. 1816 dann wurde die neue Ära des Hamburger Hafens durch ein einlaufendes Schiff symbolisiert. Die „Lady Lake“ war das erste Dampfschiff Deutschlands. Dennoch bestimmten in den kommenden Jahren zunächst auch weiterhin Segelschiffe das Bild im Hafen, wenn auch teilweise mit zusätzlichem Dampfantrieb. 

Das Containerterminal Eurogate
Das Containerterminal Eurogate bietet nachts einen faszinierenden Anblick

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nahm Hamburg auch auf einem anderen Sektor des Hafenbetriebs eine wichtige Rolle ein: der Passagierschifffahrt. Neben Bremerhaven wurde die Hansestadt wichtigster Hafen für Millionen von Menschen, die in die Neue Welt auswandern wollen. Das Auswanderermuseum BallinStadt auf der Veddel erzählt ihre Geschichte.
Mit dem Bau des Sandtorhafens und der Landungsbrücken ging der Hafenausbau zügig voran, bevor  in den 1950er Jahren das Zeitalter der Containerschiffe begann. Die Folge war eine stetige Erweiterung der Hafengebiete bis zum Hafen von heute.Der ist immer auch heute noch einer der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt – und garantiert zudem diese faszinierende Industrieromantik, die ihresgleichen sucht.

Podcast-Tipp: Hubs Hafenschnack

Podcast-Tipp: Industrieromantik

Er gibt dem Herz von Hamburg eine Stimme: Hubert Neubacher, Chef von Barkassen-Meyer und als solcher schon gut mit dem Hafen vertraut. In seinem Podcast „Hubis Hafenschnack“ spricht Neubacher mit Kapitän:innen, Cafébesitzern, Reedern und Hafenarbeitern über die Lebensader der Hansestadt. Wie ist das Leben an der Waterkant? Wer trägt dazu bei, dass der Verkehr auf der Elbe läuft? Wo und bei wem finden alle Fäden des drittgrößten Hafens Europas zusammen? Antworten gibt’s im Podcast. Den könnt ihr auch abonnieren – und zwar hier: hubis hafenschnack.podigee.io