Standpunkt: Kulturwandel auf dem Kiez

Standpunkt: Bühne des Kukuun
Das Kukuun war immer ein echter Geheimtipp für neue Bühnenerfahrungen


Das Kukuun geht! Das einzigartige Kunst&Kulturprojekt im ersten Stock des Clubhauses vom FC St. Pauli hatte hier die zweite Heimat. Julia und Olaf als Kulturvorsitzende geben ihre Location auf. Das Kukuun als Idee, als Kultur Chamäleon wird allerdings weiter leben.


Corny Littmann glaubt an mehr als 60 gute Theater und Bühnen an und auf der Reeperbahn. Das letzte Jahrhundert mit mehr als 300 Theatern liegt aber schon etwas zurück. Die bittere Realität der Reeperbahn heute: mehr als 60 Kioske, Tendenz steigend. Clubkultur mit Angeboten jenseits des Mainstream an einem Ort zu etablieren, mit Besucherzahlen von denen andere Stadtteile träumen, ist und bleibt ein schwieriges Geschäft. Das Clubkombinat und seine Mitglieder können davon ein Lied davon singen.

Vielfalt jenseits des Mainstreams

Clubs an der Reeperbahn haben hier eigentlich ihr natürliches Habitat und sind von den Bewohnern des Viertels trotz der Besucherströme, dem Lärmpegel und des Besucherverhaltens überwiegend anerkannt. Die Angebote der leben von der Abstimmung mit den Füßen. Wer kommt und zahlt für eine genrefreies Liveprogramm, das in keine vorgegebene Kategorie gehört. Lesungen, Klassik, Pop, Swing, Indie, Elektro, kein Vertun bei Glamrock oder gar Heavy Metal. Open minded – offen bleiben – Keine Institution verkörpert das besser als das Kukuun. Herz für Anwohner, skurrile Ideen und Projekte, Heimat für einen Sparklub. Der Club hat nicht sofort jeden angesprochen, die steril wirkende Bühne mit ihrer dank Olaf großartigen Technik und Akustik hat aber jeden in den Bann gezogen, der die Hemmschwelle des Eintritts überwunden hat und sich auf Akustikreisen eingelassen hat.

Wir selbst hatten es in der Hand, häufiger einmal Künstlern die Chance zu geben, bezahlt zu werden, einmal etwas zu sehen, zu hören, was noch größer werden kann. Die Abstimmung hat jedoch ergeben, dass Julia und Olaf nicht genügend Publikum überzeugen konnten. Social-Media hin oder her, wir alle setzen zu viel auf Etabliertes, das Sichere, das Bekannte. Dabei gehört dem Mut, den Standort Reeperbahn mit Unkonventionellem zu etablieren tiefer Respekt gezollt, an die Macher und das Team.

Die Reeperbahn als Straße der Gegensätze hat mit dem Wechsel hin zu UWE-Reeperbahn eine Chance vertan, in der Koloratur der lebendigen Meile etwas jenseits des Mainstreams zu erhalten. Bleibt den neuen Machern zu wünschen, dass das erste Obergeschoss mit dem feinen Blick auf den Spielbudenplatz bei der Abstimmung mit den Füßen gut angenommen wird.

Die UWE-Reeperbahn-Betreiber sind keine Unbekannten und mit Yard Dibbaba sind wir sicher, das launiges Plattdeutsch und unkonventionelle humorige Auftritte seiner Schlickrutscher mit von der Partie sein werden. Der Wandel bleibt bestehen, die Abstimmung können wir selbst in die Hand nehmen. Im Falle von Julia Staron haben wir sogar die Möglichkeit, im Februar für sie zu stimmen, denn die SPD-Politikerin ist als Quartiersmanagerin der Reeperbahn ganz dicht dran am Geschehen. Darüber hinaus macht sie sich für Tierschutz stark.

Wer sich auf anderen Wegen für ein lebendiges, vielfältiges und multikulturelles St. Pauli stark machen möchte, kann das jedoch auch anders tun – mit dieser Petition nämlich: https://www.openpetition.de/petition/online/futuremusiccity-deine-stimme-fuer-eine-vielfaeltige-und-kreative-clublandschaft-in-hamburg

Der Spielbudenplatz das Klubhaus und die tanzenden Türme: Eckpfeiler einer durchmischten Reeperbahn