Hamburgs Gastro-Historie: Kaffeeklappen und Speisehallen

Die ehemalige Speisehalle Nummer 10 am Kranhöft. ©Verlag Dölling und Galitz

Restaurant kann ja jeder. Hamburg hatte aber lange eine Besonderheit zu bieten, die man nicht überall findet – die sogenannten Kaffeeklappen, die auch Essen ausgaben.

Kleiner Ausflug in die Geschichte

Hafenarbeiter warten am Baumwall. ©Verlag Dölling und Galitz

Das Leben der Hafenarbeiter im 19. und 20. Jahrhundert war hart. Doppelschichten waren an der Tagesordnung und von Work-Life-Balance hatte damals absolut noch niemand gehört. Vor allem in den Häfen gab es vermehrt ein Problem mit Alkoholmissbrauch. Der hatte natürlich Folgen auf die Konzentration der Hafenarbeiter und sorgte des Öfteren für Unfälle.

In London begegnete man diesem Problem, indem man im Hafengebiet kleine Buden aufbaute, an denen die Hafenarbeiter Essen und (natürlich alkoholfreie) Getränke bekamen. Diese Idee fand auch in Hamburg Anklang: Dort gründete sich 1884 das „Comitee zur Errichtung von Volkskaffeehallen“ und nur wenige Jahre später gab es diese im Freihafen.

So prachtvoll sahen einige Volksspeisungen und Kaffeeklappen aus. ©Verlag Dölling und Galitz

Den Namen Kaffeeklappe hatten die Volkskaffeehallen schnell weg, weil Heißgetränke und Essen durch eine kleine Klappe nach draußen gereicht wurden. Aber warum eigentlich Kaffee? Auch hier waren wieder die Erfahrungen aus London maßgeblich: Dort hatte man festgestellt, dass Kaffee die Arbeiter wacher und konzentrierter machte.

Mit der Automatisierung des Hafens verschwanden in den 1980er Jahren auch die Kaffeeklappen. Doch nicht ganz: So ist die Oberhafenkantine einer der letzten ihrer Art. Sie gilt als schönes Beispiel des norddeutschen Backsteinexpressionismus aus dem Jahr 1925. Man munkelt übrigens, dass der eine oder andere Ziegel des Chilehauses in der Oberhafenkantine steckt. Die Steine kamen per Lastkrahn über die Oberelbe und der legendäre Wirt Hermann Sparr soll schon mal Bier gegen Steine getauscht haben.

Die legendäre Oberhafenkantine

Hermann Sparr führte die Oberhafenkantine und danach übernahm seine Tochter Anita, die als als 12jährige dort in der Küche angefangen hatte. Sagenhafte 72 Jahre war Anita Haendel die Wirtin der Oberhafenkantine. Berühmt wurde sie auch dadurch, dass sie einen Handstand auf einem Stuhl in der Kneipe absolvieren konnte. Heute wird die Oberhafenkantine von Sebastian Libbert geführt – und ist schief und aufrecht wie eh und je.

Oberhafenkantine
dienstags bis samstags 12-22 Uhr
sonntags 12 bis 17.30 Uhr
Stockmeyerstraße 39
Tel +49 40 32 80 98 84

Zum lütten Foffteiner

Klein, fein lecker: zum lütten Foffteiner

Den Namen muss man Nicht-Hamburger erst einmal erklären: lütten foffteiner bedeutet im Norden eine kleine Arbeitspause gegen 15 Uhr. Tatsächlich erschallt dieser Ruf auch heute noch im Hafen – weshalb die Location für die gleichnamige Kaffeeklappe auch schöner nicht liegen könnte: am Grasbrook im Hafen. Hier steht mit Magdalena Meierdirks ein echtes Original in der Küche und hinterm Tresen – und die Besucher sind ein erstklassiges Indiz für die Qualität der Küche: Hafenarbeiter und vor allem Fernfahrer wissen nämlich genau, wo sie leckeres, deftiges Essen bekommen. Aber nicht nur Frikadellen oder Bauernfrühstück sind hier 1 a. Morgens gibt es nämlich neben einem ganz reellen Kaffee auch knusprig-frische Mettbrötchen.
montags bis freitags 7 bis 17 Uhr
Dessauer Straße 10
20457 Hamburg
Tel: 0173 60 35 562

Die Fischgaststätte auf der Veddel

Klein und mit großer Tradition: Die Veddeler Fischgaststätte

Denkt man die Idee der Kaffeeplatte mal weiter ist die Veddeler Fischgaststätte die logische Konsequenz.Seit 1932 gibt es die Gaststätte schon – der Bratofen aus dem Jahr 1947 ist bis heute in Betrieb. Die Karte nennt sich stolz „Hamburgs kleinste Speisekarte“ – aber wer sich ein wenig in der Gastro auskennt weiß: Kleine Karten bedeuten oft genug große Qualität. Das trifft auch hier zu: saftige Fischfiletstücke, pikanter Brathering. gebackene Scholle und fluffig-pikante Fischfrikadellen überzeugen durch Qualität und Geschmack. Die Fischgaststätte ist übrigens ein reiner Familienbetrieb. Im Sommer übernimmt der Neffe der Wirtin Marion Göttsche das Restaurant und zieht dafür von der Spree an die Elbe.

Um den Bogen zur Kaffeeklappe zu schließen: eine Klappe hat die Veddeler Fischgaststätte auch: Dadurch werden zurzeit die Gerichte nach draußen gereicht.
montags bis freitags von 11 bis 17 Uhr,
Tunnelstraße 70
20539 Hamburg
Tel: +49 40 78 63 89

Einen kleinen Einblick im bewegten Bild gibt es hier Da erfahrt ihr auch, warum es in der Veddeler Fischbratküche keine Fischmesser gibt.

Buchtipp

Wer sich für Geschichte interessiert: Die Dissertation „Volksspeisung und Kaffeeklappen“ ist im Dölling und Galitz Verlag erschienen. 39,90 €