Hamburgisch für Fortgeschrittene

Das schönste Panorama überhaupt: der Blick auf den Hamburger Hafen
Ohne Worte wunderschön: das Hafenpanorama Hamburgs

Klar, was ein Franzbrötchen ist, weiß mittlerweile jeder. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem Spruch „He lücht“? Was ist „Hachmanns Kinderwagen“ und warum heißt eigentlich das Schulterblatt so wie es heißt? Dazu gibt ein besonderes Buch über Hamburg Auskunft.

Antworten auf all diese Fragen liefert ausgerechnet ein Bremer: Dr. Daniel Tilgner. Der allerdings kennt sich in Hamburg ziemlich gut aus, er hat hier studiert und war Mitherausgeber eines Hamburg-Lexikons. Nun legt er mit dem Buch „So snackt Hamburg“ nach.

Dafür hat er etliche Hamburger Redewendungen und Sprüche genauer unter die Lupe genommen und ist ihnen mit detektivischem Spürsinn bis zu den Ursprüngen nachgegangen.

Hamburgisch: So snackt Hamburg
So snackt Hamburg: Eine echte Fundgrube für alle Fans der Hansestadt
 

Vom Hafen und den Barkassen

Hamburg: Barkassen gehören dazu
Keine Hafentour ohne Barkasse

Der Ausruf „He lücht“ wird heute noch gebraucht. Von Hafen- und Kaiarbeitern nämlich, die ihn den Barkassen-Passagieren zurufen. „Er lügt“ bedeutet der Spruch ins Hochdeutsche übersetzt. Gemeint ist damit, dass die Barkassenkapitäne bisweilen zu Übertreibungen neigen – böse Zungen würden ihnen gar Seemansgarn unterstellen.

Hamburg: Die Oberhafenkantine – letzte Kaffeeklappe der Stadt
DIe letzte ihrer Art: Kaffeeklappe Oberhafenkantine

Kaffeeklappen gab es früher zahlreiche – im Hamburger Hafen nämlich. So wurden im Volksmund die Volksspeise- und Kaffeehallen der Werftarbeiter genannt. Heute ist mit der Oberhafenkantine noch eine dieser Klappen erhalten.

Von bösen Jungs und der Polizei

Hamburgisch: die Davidwache
Das berümteste Polizeirevier Hamburgs: die Davidwache. ©Schumacher

Anders verhält es sich dagegen mit „Hachmanns Kinderwagen“ – der Begriff ist tatsächlich in Vergessenheit geraten. So wurden früher die Gefangenentransporter genannt. Der Name stammt von Senator Gerhard Hachmann, der von 1886 bis 1899 oberster Polizeiherr der Stadt war.

Apropos Polizei: In Hamburg kennt man auch heute noch den Begriff „Udl“ für Polizist. Dieser etwas spöttische Name hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. 1876 wurde in Hamburg die Nachtwache aufgelöst, deren Aufgaben übernahm die Schutzpolizei. Aber nicht nur die: Nachtwächter wurden in der Hansestadt auch „Uhl“ für Eule genannt, weil sie – ebenso wie der Vogel – in der Dunkelheit unterwegs waren. Daraus wurde dann Udl oder Udel. Warum der Spitzname eher spöttisch gemeint war? Weil die Truppe der Nachtwächter eher gemütlich unterwegs gewesen sein soll und des nachts auch häufiger ein Schläfchen eingelegt hat.

Von Stadtteilen und Straßennamen

Hamburg: Der Stuhlmannbrunnen erzählt von der Konkurrenz zwischen Altona und Hamburg
Der Stuhlmannbrunnen von Altona

Spannend ist auch, wie der Stadtteilname Altona entstanden ist. Dazu muss man wissen, dass Hamburg früher in Konkurrenz zu der Siedlung lag, die heute Altona bildet. Es ging um nix Geringeres als darum, wer im Fischfang die Nase vorn hat. Und für die Hamburger war die Siedlung „all to nah“, also allzu dicht bei. Daraus entstand schließlich Altona. Vom Konkurrenzkampf der Fischer zeugt bis heute übrigens der Stuhlmannbrunnen auf dem Platz der Republik.

Der Ursprung des Straßennamens Schulterblatt dagegen führt uns ins 17, Jahrhundert und zu einem pfiffigen Kneipenwirt. Der hatte nämlich einem Walfänger das Schulterblatt eines Wals abgekauft – und es zum Kneipenschild umfunktioniert. Genau das wurde dann als Pate genommen, als für die Straße ein Name gesucht wurde.

Hamburgisch: blühender Balkon in Ottensen
Früher Tuberkulosehochburg, heute bunter Stadtteil: Ottensen

Barmbek dagegen hatte sogar mal einen Lord, wobei der eher wenig adlig war. Der Lord von Barmbek wurde nämlich ein Krimineller namens Julius Adolf Petersen genannt, der mit seiner „Barmbeker Verbrechergesellschaft“ die Hansestadt unsicher machte. Den Namen erhielt Petersen, weil er stets elegant gekleidet war. Als die Polizei ihn 1922 schließlich verhaftete, gestand er mehr als 50 Einbrüche und Raubüberfälle.

Immer schick: Der Lord von Barmbek ist heute im Hamburger Polizeimuseum zu bewundern

Ottensen dagegen trug früher den Beinamen Mottenburg – und das hat nichts mit den Insekten zu tun. Hier wurde im 19. Jahrhundert unter anderem Glas hergestellt und Zigarren produziert – unter denkbar schlechten Bedingungen. Das wiederum führte dazu, dass sich in Ottensen viele Menschen mit der Tuberkulose infizierten – Löcher, also Mottenfraß – in der Lunge waren die Folge.

So snackt Hamburg
Ellert & Richter Verlag
12 €
Zu bekommen über die Buchhandlung Heymann, auch online