Hamburg Heritage: das Hindenburghaus

Hamburg Heritage: EIngangsbereich des Hindenburghauses
Prachtvoll: das Hindenburghaus

Wer an Hamburgs legendäre Kontorhäuser denkt, dem fällt zuerst mal das Chilehaus ein. Und dann vielleicht der Sprinkenhof. Dabei gibt es in der Innenstadt ein echtes architektonisches Juwel, dass immer noch relativ unbekannt ist: das Hindenburghaus, Adresse Großer Burstah 31.

Hindenburghaus: edle Materialien für Hamburger Kaufleute

Doch das Kontorhaus ist nicht nur prachtvoll gestaltet, es hat auch eine spannende Geschichte. Ursprünglich nämlich war das Gebäude als Hotel geplant, genauer gesagt als Luxusherberge. Die sollte den Namen „City Hotel“ tragen. Kein Wunder also, dass die Architekten Hiller & Kuhlmann aus dem Vollen schöpften, als es um die Inneneinrichtung ging.

Stuck, edle Hölzer und Marmor sind zentrale Elemente des Hindenburghauses. So ist die stuckverzierte Decke in elegantem Gelb und Weiß gehalten, der Marmorboden mit dekorativen Quadraten geschmückt und Treppengeländer sowie Eingänge in poliertem Holz mit aufwendigen Schnitzarbeiten gehalten. Über allem verbreitet ein Kronleuchter standesgemäßes Licht. Sehenswert sind auch die überall eingestreuten Jugendstilelemente, die beispielsweise den Türsturz oder die Pfeiler schmücken.

Hamburg Heritage: prachtvolle Details
En detail: An den Wänden hängen prächtige Lampen

Der Erste Weltkrieg vereitelte schließlich die Pläne, aus dem Gebäude ein Hotel zu machen. Stattdessen wurde das Hindenburghaus zum Kontorgebäude. Denn daran bestand zu jener Zeit großer Bedarf. Zur Jahrhundertwende wurden nämlich in der Hansestadt die Bereiche Leben und Arbeiten erstmals getrennt.

Ein Kontor bezeichnet das Arbeitszimmer der Kaufleute. Das Wort leitet sich ab vom französischen „comptoir“. Übersetzt bedeutet dies „Zahltisch“ oder auch „Bankschalter“. In den hanseatischen Bürgerhäusern waren das Kontor und die Wohnräume unter einem Dach. Einige dieser Bürgerhäuser sind heute noch in der Deichstraße enthalten.

Hamburg Heritage: die Deichstraße
Eines der typischen Hamburger Bürgerhäuser in der Deichstraße. Heute findet man hier die Weinbar „Buddels“

In den neuen Kontorhäusern Hamburg hatten Kaufleute in den oberen Geschossen ihre Arbeitsräume. Das Unterschoss war reserviert für Ladengeschäfte. Speicherräume – früher Bestandteil der Bürgerhäuser – wurden größtenteils in die Speicherstadt ausgelagert.

Das erste Kontorhaus Hamburgs war der Dovenhof an der Ecke Brandstwiete/Dovenfleet, der im Mai 1886 eröffnet wurde. Der Architekt Martin Haller hatte sich zwar an nordamerikanischen und englische Architektur-Vorbildern orientiert, für die Fassade jedoch auf Stilelemente der französischen Renaissance zurückgegriffen. Übrigens: Im Dovenhof gab es auch den ersten Paternoster Europas.