Unbekannte Ecken der Stadt: Dulsberg

Dulsberg: Laubenganghäuser
Typisch Dulsberg: Rotklinker und viel Grün

Hier sehen die Menschen rot – und zwar buchstäblich. Kein anderer Stadtteil Hamburgs hat nämlich so viele Rotklinkerhäuser wie Dulsberg. Architektonisch dominiert hier nicht nur der Rotklinker, sondern auch der Stil der 1920er Jahre, den man auf vielen Mehrfamilienhäusern entdecken kann. Für den Look von Dulsberg ist vor allem ein namhafter Baumeister verantwortlich: Fritz Schumacher.

Skulpturen und Laubengänge

Dulsberg: Statue „Tanzende Mädchen“

Die Skulptur „Tanzende Mädchen“ steht am Naumannplatz. Gestaltet wurde sie 1952 von Martin Irwahn

Sehenswert sind vor allem die Laubenganghäuser in der Oberschlesischen Straße und die Statuen des Bildhauers Ludorf Albrecht in den Innenhöfen der Schlettstadter Straße. Aber auch der Künstler Martin Irwahn hat hier seine Spuren hinterlassen, beispielsweise mit der Skulptur „Tanzende Mädchen“ am Naumannplatz.

Die Architektur Dulsbergs zieht übrigens jedes Jahr zahlreiche Architektur-Fans aus aller Welt an, denn es gibt kaum andere Orte, an denen der Stil der „Neuen Sachlichkeit“ so gut erhalten ist.

Dulsberg: typische Architektur
Die Laubenganghäuser waren seinerzeit eine echte Revolution des Bauens – hier fanden Arbeiter neuen, modernen Wohnraum

Der Stadtteil Dulsberg hat seinen Namen tatsächlich von einem Berg, dem Tollsberg – auch bekannt als Teufelsberg. Der etwa 20 Meter hohe Hügel liegt an der Krausestraße. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier vor allem Weiden und Wiesen, die von den Landwirten der Umgebung genutzt wurden. Dann verkauften die Bauern ihr Land an die Hansestadt Hamburg und die verlegte zunächst nach Dulsberg alles, was die Reichen und Mächtigen der Stadt nicht in ihrer Nähe wissen wollten: Fischfabriken, eine Müllverbrennungsanlage, Militäreinrichtungen und ein Armenhaus.

Sogar ein Thronfolger war schon hier

Nach dem Ersten Weltkrieg ändert sich das Gesicht Dulsbergs langsam: Durch den Wohnungsbau wurde der Stadtteil immer interessanter für junge Familien, bevor die „Operation Gomorra“ 1943 Dulsberg in Schutt und Asche bombte. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Viertel komplett wiederaufgebaut – und zwar in dem Stil, der hier prägend war.Der war übrigens seinerzeit eine echte Attraktion: Sogar der britische Thronfolger Eduard VIII besichtigte 1932 die Arbeitersiedlungen.

Heute findet man auf dem Dulsberg (man wohnt hier nämlich AUF und nicht etwa IN) vor allem Singles und viele Alleinerziehende. Das hat damit zu tun, dass viele der Wohnungen nur um die 50 Quadratmeter Fläche haben – und damit, das Dulsberg für Hamburger Verhältnisse immer noch recht günstig ist.

Lange Jahre galt der Stadtteil übrigens als eine Art No-go-Area mit hoher Kriminalitätsrate. Aber das ist Vergangenheit. Heute lebt man hier sogar sicherer als in manch einem anderen Stadtteil, vor allem, was Gewaltverbrechen angeht.

Grün in der Stadt

Dulsberg: Wilde Wiesen für mehr Artenvielfalt
Auch das ist Dulsberg Wildwiesen sorgen für Artenreichtum in der Stadt

Neben der spannenden Architektur des Viertels ist auch der Grünzug Dulsberg, eine parkähnliche Anlage, die sich quer durch den Stadtteil zieht, einen Besuch wert. In diesem Naherholungsgebiet gibt es neben einer Hundewiese auch einen schönen Kinderspielplatz. Wer gern zu Fuß unterwegs ist, kann auch einen Spaziergang an der Osterbek unternehmen.

Auch Sportfans sollten ruhig öfter mal auf den Dulsberg fahren. Denn hier gibt es neben dem Olympiastützpunkt für Schwimmer und Fußballer auch den „Beach Hamburg“ – ein echtes Eldorado für alle Beachvolleyball-Fans. Aber nicht nur für die: Denn hier kann man auch einfach faul im Sand liegen oder sich im Beach-Soccer versuchen.