Tattoos: Glaube, Liebe, Hoffnung

Ein Kreuz, ein Herz und ein Anker. Ein klassisches Tattoomotiv. Wunderbar. Passt zu unserem Hafen, zu unserer Stadt, zu jedem, der sich mit den Symbolen verbunden fühlt. Was als Tätowierung bekannt ist, stammt ursprünglich aus einem Bibeltext: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“  
Ursprünglich brachten Seeleute die Tätowierungen nach Europa. Ein Matrose ohne Tätowierung war nicht seetüchtig. Da war ein Körper voller Erinnerungsstücke aus dem man lesen konnte. So durfte ein Maat sich für eine Atlantiküberquerung einen Anker stechen lassen. Für die Kap Horn-Umrundung gabs ein Segelschiff. Dazu kam eigentlich alles was dem Seemann in den Sinn kam – Flaggen, Steuerräder, Portaits und die schmucke Seemannsbraut. Tätowiert wurde unter Deck, denn die Tätowierstube an Land kam erst viel später. Hamburg darf sich rühmen, dass sich hier die Älteste Tätowierstube in Deutschland befindet. Die Älteste Tätowierstube Deutschlands – damals und heute.Unten links: Herbert Hoffmann in der Schweiz in die er 1981 mit seinem Partner übersiedelte. Erstmalig angemeldet wurde das Tätowiergeschäft 1946 in der Seilerstraße, St. Pauli. 1962 kaufte Herbert Hoffmann das Geschäft, das mittlerweile zum Hamburger Berg 8 gezogen war. Herbert Hoffmann. Urgestein des Handwerks. Sein erstes eigenes Tattoo war der Klassiker: Glaube, Liebe, Hoffnung. Seine Arbeiten machten sein Geschäft international bekannt und er trägt sicher einen großen Anteil, dass Tattoos gesellschaftsfähig wurden. Tattoos haben längst nicht mehr das Stigma des Unseriösen und sind nur das Berufsmerkmal der Seeleute. Das Seemannsgrab und Delfine sind passé. Auch das sogenannte Arschgeweih ist nicht mehr. Selbst wenn vielleicht der ein oder andere Ausrutscher dabei ist, der Körper wird zur Leinwand für individuelle Bilder. Kunstvoll, maßgeschneidert und einzigartig. Die Kunden sind nicht mehr nur vom Hafen oder Kiez, sondern aus allen gesellschaftlichen Schichten. Mindestens die Hälfte sind heute Frauen. Die Tattookünstler tauschen sich aus, reisen rum, haben ihren eigenen Stil entwickelt. Rund um die Reeperbahn sind einige Tattoo-Studios zu finden. Tattoos sind langlebig. Man sollte sich vorher unbedingt über die Qualität der Arbeiten schlau machen. Wer sich bestechen lassen möchte oder bleibende Eindrücke aus Hamburg erhalten möchte, der ist jedenfalls in dem Viertel richtig. http://www.reeperbahn.de  Zurück noch einmal zu Herbert Hoffmann. Sein Stil und seine Leidenschaft hat mit Sicherheit die Reeperbahn und die Szene der Kiezkultur nachhaltig geprägt. Sozusagen „Hoffmanns Erzählungen“ nicht zu Papier gebracht, sondern unter die Haut. Der Tattoo-Szene blieb er bis zu seinem Tode 2010 treu. Seine Arbeitsutensilien in der Austellung im Museum für Kunst und Gewerbe legen noch immer Zeugnis davon ab. http://www.mkg-hamburg.de
Herbert Hoffmann hat nicht nicht nur tätowiert, sondern auch die Menschen fotografiert. Die Menschen mit ihren Tätowierungen. Seine Bücher und seine Postkartenserien finden Sie im St. Pauli Museum. http://www.kiezmuseum.de 
Günter Zint, Fotograf und Bewahrer von Zeitdokumenten, hielt die Anfänge der Tattooszene im Bild fest. Wir freuen uns, dass Günter Zint uns diese zur Verfügung gestellt hat. Die Anfänge der Kunstform zeigen, wie sich diese doch positiv entwickelt hat. http://www.panfoto.de  Herbert Hoffmann, Regisseurin Andreas Schuler und Karlmann Richter bei der Premiere des Films ”Flammend‘ Herz“.In Deutschlands Ältester Tätowierstube kreuzen und trennen sich die Wege von Albert, Herbert und Karlmann. Mit ihren Geschichten aus zusammen fast 270 Lebensjahren erzählt „Flammend‘ Herz“, auch von einem Jahrhundert Tätowiergeschichte.