Die Kronprinzessin – vom Panoptikum

Susanne Färber und Olivia Jones vor dem Panoptikum

„Man muss jede Figur länger betrachten und auf sich wirken lassen“, erklärt Dr. Hajo Faerber (67), Geschäftsführer und Seiteneinsteiger des Hamburger PANOPTIKUMS, wenn er sein Wachsfigurenkabinett vorstellt und ins Schwärmen geriet. Grund genug hat der ehemalige Internist aus Hamburg denn das Haus hat eine traditionsreiche Familiengeschichte. Seit über 135 Jahren, genau seit 1879, existiert Deutschlands älteste Wachsfigurenausstellung auf dem Spielbudenplatz parallel zur Reeperbahn, dass von dem preußischen Holzbildhauer Friedrich Hermann Faerber gegründet wurde. Auf einer Ausstellungsfläche von über 700 Quadratmetern werden aktuell über 120 Persönlichkeiten und Prominente aus Kunst, Politik, Geschichte und Showbiz präsentiert. Zu den lebensechten Wachsfiguren gehören Megastars wie Michael Jackson und Robbie Williams, Leinwandschönheit Angelina Jolie, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Alt-Kanzler Helmut Schmidt, Komiker Otto Waalkes, Box-Weltmeister Vitali Klitschko genauso wie Modedesigner, Fotograf und Innenarchitekt Karl Lagerfeld oder Deutschlands schillernde Drag-Quenn Olivia Jones. Aber auch US-Präsident Barack Obama, Panik-Rocker Udo Lindenberg, die Beatles oder Marilyn Monroe haben ihren Stammplatz. Dabei fing alles mal ganz anders an. Mit lebenden Menschen und Originalen wie die Riesin „Mariedl“, eine 2,27 Meter große Bäuerin aus Süddeutschland, dem „langen Joseph“ oder der Mann mit den drei Augen waren beliebte Ausstellungsstücke. 
„Für mich ist unser Haus ein wichtiger Bestandteil für St. Pauli und die Hamburger, denn wir möchten nicht nur mit unserem Panoptikum das alte Flair und die Tradition unserer Meile erhalten, sondern auch das Kulturelle in Zukunft mehr in der Fordergrund bringen“, erklärt Dr. Faerber die Bedeutung des Hauses. Wie viel Liebe zum Detail in der Produktion neuer Figuren steckt zeigt der Aufwand, der dafür aufgewendet wird, denn jedes Jahr werden höchstens zwei neue Figuren hergestellt. Das liegt nicht nur an den enormen Kosten von bis zu 50.000 Euro pro Figur, sondern vor allem an dem hohen Qualitätsstandard der Betreiber und seiner Künstler, denn jede Figur ist ein handgefertigtes Original. „Die größte Herausforderung der letzten Zeit war für unser Team Travestie-Star Olivia Jones. Nicht nur die körperliche Größe, vor allem die Details ihres Kostüms war eine große Herausforderung“, erklärt Bildhauerin Saskia Ruth. Olivia Jones vor ihrem Ebenbild
Wenn es auch zwischen Vater und Tochter manchmal unterschiedliche Auffassungen über die Aktualität der Exponate gibt – Papa möchte gern als Fan klassischer Musik den Komponisten Johannes Brahms ins Programm aufnehmen – Susanne dagegen sich lieber an den Wünschen der Besucher orientieren und vielleicht Dieter Bohlen verewigen. „Die Meinung der Gäste zählt nun mal mehr als die Meinung des Veranstalters“, argumentiert Susanne lächelnd. Für Vater und Tochter ist vor allem eines wichtig: Auch in den kommenden Jahren einer der schönsten Anziehungspunkte für Touristen und Hamburger in der Hansestadt zu sein.Karl Lagerfeld
Nun steht der Generationswechsel ins Haus.
Bereits seit einiger Zeit wird das Haus vom Führungs-Duo Vater und Tochter geleitet und Dr. Faerber leistet nur noch „Überbrückungshilfe“, denn für Tochter Susanne (23) steht der Berufswunsch schon fest – sie wird die Kronprinzessin des Panoptikums „Das Panoptikum ist der wichtigste Teil in meinem Leben“. Mutter Beate (Biologie- und Chemielehrerin), Tochter einer hanseatischen Kaufmannsfamilie hatte bereits das Unternehmen fast 20 Jahre geleitet. Nach ihrem Tod vor acht Jahren hängte Ehemann Hajo seine Praxis als Internist an den Nagel und übernahm die Leitung des Panoptikums. So ist es kein Wunder, das auch Susanne dem Unternehmen treu leibt und in die Fußstapfen ihrer „Vorgänger“ schlüpft. Doch bevor es zu einer Gesamtübernahme kommt möchte Susanne Faerber ihr Studium mit dem Abschluss als Master of Science in Management abschließen. Nach ihrer Rückkehr aus Shanghai, wo sie derzeit ein Auslandssemester belegt, wird sie im Frühjahr immer mehr Aufgaben im Sinne ihres Ururgroßvaters übernehmen. Natürlich wird es auch Veränderungen geben, aber ganz vorsichtig und in kleinen Schritten, denn das Panoptikum lebt auch von der Patina. Erste Schritte der Veränderung gab es bereits mit der Einführung von Audio-Guides. Mit diesen Leih-Geräten erhalten Besucher die Möglichkeit aufschlussreiche Informationen und Hintergrundwissen über die Ausstellung während eines Rundgangs auf Deutsch oder Englisch über Kopfhörer zu hören. Erste Gespräche über die Erweiterung der Ausstellungsflächen werden bereits geführt und so darf gespannt auf viele neue Exponate sein. Susanne Färber im Gespräch mit Altkanzler Schmidt
Auch nach seiner aktiven Zeit der Interessengemeinschaft St. Pauli wird sich Hajo Faerber wird auch weiterhin um die Belange seines St. Paulis kümmern: „Die Menschen lieben ihren Stadtteil und der Charakter unseres Kiez darf nicht verloren gehen. Es geht in erster Linie um die Anwohner dieses Stadtteils und ich werde mich auch in Zukunft bemühen, dass sich die Bewohner hier wohlfühlen und sich das kulturelle Angebot auch für Kleinkünstler weiterhin entwickelt“, erklärt Faerber sein Engagement für eine lebendige Meile.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 11:00 bis 21:00 Uhr
Sonnabend 11:00 bis 24:00 Uhr
Sonntag 10:00 bis 21 Uhr

Preise 2015
Erwachsene EUR 6,00
(mit Hamburg-Card EUR 5,00)
Kinder/Jugendliche bis 18 Jahre EUR 4,00
(mit Hamburg-Card EUR 3,50)
Senioren ab dem 65. Lebensjahr EUR 5,50
Schüler und Studenten EUR 5,50
Audio-Guide EUR 0,50

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