Imperial Theater: Spannung mit Edgar

Imperial Theater: Außenansicht
Die Nummer 1 der Krimitheater: Auch die „toten Augen von London“ wurden hier schon gespielt

Ob Edgar Wallace auch nur im Traum daran gedacht hat, dass sein Buch „Die Tür mit den sieben Schlössern“ auch 94 Jahre nach der Erstveröffentlichung 1926 so ein Erfolg sein würde? Das ist kaum anzunehmen. Wahrscheinlich hätte er schon gestaunt, als die Kino-Verfilmung in den 1960er Jahren zum absoluten Straßenfeger wurde. Und noch mehr, wenn er die Bühnen-Adaption im Imperial sehen würde. Denn die feierte jetzt im Krimitheater an der Reeperbahn Premiere.

Imperial Theater: das Ensemble
Das spielfreudige Ensemble von „Die Tür mit den sieben Schlössern“. ©Oliver Fantitsch

Die war mehr als erfolgreich, wie man am Abschluss-Applaus deutlich hören konnte. Kein Wunder: Frank Thannhäuser und seinem Team ist eine rundum gelungene Version des Krimiklassikers gelungen. Mal spannend, mal gruselig, mal mit pointiertem Wortwitz.

Kurz vor seinem Tod verteilte Lord Selford an sieben seiner Bekannten je einen Schlüssel, mit dem sie am Tag der Volljährigkeit seines Sohnes in der Familiengruft der Selfords eine Tür mit sieben Schlössern öffnen sollen. Dahinter soll sich das Erbe des jungen Lord Selford befinden.

Eine solche Aussicht auf reiche Beute ruft naturgemäß nicht unbedingt das Beste im Menschen hervor. Und so ist es auch hier. Neben den Schlüsselträgern, die sich überhaupt nicht grün sind, treibt auch noch der dubiose Arzt Staletti sein Unwesen. Der hat ein Faible für Gift und mittelalterliche Folterwerkzeuge. Sönke Städler spielt den Mediziner gekonnt als dubiose Figur – inklusive nervlicher Zuckungen des Gesichts. Ob an diesen nur die Erbschaftsgeschichte schuld ist oder der Streit zweier Damen in der Handlung? Man weiß es nicht genau.

Imperial Theater: Schlussszene
Finale in der Gruft von Lord Selford. ©Oliver Fantitsch

Fest steht aber: Die Damen Emily Cody (Marina Zimmermann) und Milicent Lansdown (Iris Schumacher) schenken sich nichts, wenn es darum geht, die eigenen Pfründe zu sichern. Da werden pausenlos rhetorische Giftpfeile abgeschossen und auch vor intrigantem Tun schrecken sie nicht zurück.

Der erste Teil des Bühnenstücks endet genauso wie sich das für einen Krimi gehört: mit einer Leiche. Und nach der Pause dezimiert sich die Zahl der Schlüsselgewaltigen auf rasante Weise. Bis es zum Ende tatsächlich in die Gruft des Verblichenen geht.

Eins steht nach der Premiere fest: An dieser Adaption hätte auch Krimigroßmeister Edgar Wallache seine helle Freude gehabt. Das Publikum ohnehin. Und Theaterchef Frank Thannhäuser bewies wieder mal, dass der Ruf des Imperial Theaters zu recht besteht: es gilt als bestes Krimitheater Deutschlands. „Die Tür mit den sieben Schlössern“ ist übrigens bereits die 14. Wallache-Adaption.

Edgar Wallace
Die Tür mit den sieben Schlössern
bis 13. Februar 2021
diverse Vorstellungen