Hamburgensien: die Störtebeker-Statue

Hamburgensien: die Störtebeker-Statue in der Hafencity
Störtebeker vom Bildhauer Hansjörg Wagner, 1982 der Hafencitiy, gegenüber vom Internationalem Maritimen Museum an der Busanbrücke

Wer in der Hafencity unterwegs ist, kommt früher oder später an ihr vorbei: der mächtigen Störtebeker-Statue aus Bronze in der Osakaallee, Ecke Busanbrücke, gegenüber vom Internationalem Maritimen Museum

Es lohnt sich, die Statue mal genauer in Augenschein zu nehmen. Auf einer Plakette kann man die Worte „Gottes Freund, der Welt Feind“ lesen und man sieht, dass der Freibeuter sowohl entkleidet als auch gefesselt ist. Kein Wunder: die Statue zeigt Störtebeker unmittelbar vor seiner Hinrichtung.

Das Denkmal wurde 1982 aufgestellt – ganz in der Nähe des Grasbrooks, wo Störtebeker hingerichtet wurde. Damals gab es rege Diskussionen über die Statue. Ist es richtig, dass man einem verurteilten Verbrecher ein Denkmal setzt? So lautete damals die Frage, an der sich die Gemüter erhitzten.

Mittlerweile haben sich die Wogen natürlich längst geglättet. Heute ist die Störtebeker-Statue ein Touristen-Magnet – und in Bronze gegossene, hanseatische Geschichte.

Freibeuter und Likedeeler

Rückblick: Ende des14 Jahrhunderts blüht die Wirtschaft in Hamburg, nicht zuletzt durch die Hanse mit ihren Handelsschiffen. Diese bringen Waren aus aller Welt in die Stadt, darunter Teppiche und Gewürze, die wertvoller sind als Gold. Doch auch Piraten haben es auf die kostbare Fracht auf den Koggen abgesehen.

Die meist gefürchtete Freibeuterbande segelte unter roter Flagge. Sie nannte sich „Die Likedeeler ( übersetzt Gleichteiler). Der Name rührt von der Sitte der Piraten her, die Beute gerecht unter allen aufzuteilen.

Ihr Anführer war Klaus Störtebeker. Der blutrünstige Pirat lehrte den Hamburger Händlern das Fürchten. Ihr Anführer war Klaus Störtebeker. Woher er kam, ist bis heute ungeklärt. Einige vermuten, dass er ursprünglich aus Rotenburg/Wümme stammte, andere gehen von Wismar als seiner Heimat aus.

Für diese These spricht ein Eintrag von 1380 im Stadtbuch von Wismar. Da sollen zwei Männer nach einer heftigen Schlägerei der Stadt verwiesen worden sein. Der Name des Einen: Nicolao Stortebeker.

Sein Weg zum berüchtigtsten Piraten führte schließlich über Schweden, wo er Lebensmittel in die belagerte Stadt Stockholm schmuggelte, zur Insel Gotland, wo sich Störtebeker und seine Mannen als freiberufliche Kapernfahrer verdingten.

Das Ende eines Piraten

In ihren Beutezügen waren sie so erfolgreich, dass die Hamburger Kaufleute die sogenannte Friedeschiffe ins Leben riefen, die Störtebeker den Garaus machen sollten. Befehligt wurden sie von den Hamburger Ratsherren Nikolaus Schocke und Hermann Lange. Vor Helgoland kam es 1401 zur entscheidenden Schlacht gegen die Piraten. Klaus Störtebeker geriet in Gefangenschaft. Mit dem Schiff „Bunte Kuh“ wurde er nach Hamburg gebracht. Dort stand das Urteil schnell fest: der Freibeuter soll hingerichtet werden.

Auf dem Hinrichtungsplatz Grasbrook trug Störtebeker seine letzte Bitte vor: Alle Männer in einer Reihe, an denen er mit abgeschlagenem Kopf vorbeigehen kann, sollen freikommen. Störtebeker wurde enthauptet, mit aufrechtem Gang schritt der blutige Körper an elf Männern vorbei. Dann stellte ihm der Henker ein Bein, Störtebeker stürzte zu Boden. Alle anderen Gefährten wurden geköpft.

Ein Bild und seine Geschichte: der Schädel Störtebekers und eine Gesichtsrekonstruktion
Im Museum für Hamburgische Geschichte findet sich der Schädel von Störtebeker und eine Gesichtsrekonstruktion. ©Sinje Hasheider

Störtebeker im Museum

Im Museum für Hamburgische Geschichte gibt es noch mehr über Klaus Störtebeker. Unter anderem einen rund 600 Jahre alten Schädel, in dem ein massiver eiserner Nagel steckt . Das ist ein klarer Hinweis, dass es sich um den Kopf eines hingerichteten Piraten handelt. Denn zur Abschreckung spießten die Henker im Mittelalter die abgeschlagenen Schädel der Seeräuber mit langen Nägeln auf Holzgestelle. Diese stellten sie in der Hafeneinfahrt auf. Neben dem Alter spricht einiges dafür, dass es sich um den Schädel Störtebekers handelt. So hatten die Henker das Loch für den Nagel eigens vorgebohrt, um sicherzustellen, dass der Kopf möglichst lange erkennbar bleibt.

Gleich neben dem Schädel ist eine Gesichts-Rekonstruktion zu sehen. Sah so der berühmte Pirat aus? Eine Frage, die sich wohl nicht mehr abschließend klären lässt. Ein Besuch des Museums lohnt sich aber auf jeden Fall – auch, um mehr über Hamburg zu Zeiten Störtebekers und der Hanse zu erfahren.

Auch heute noch ist die Legende Störtebekers in Hamburg verankert: Die Turmspitze, der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen ist in Anlehnung an die Krone der Heiligen Katharina mit einer goldenen Krone geschmückt. Das kostbare Edelmetall soll aus Störtebekers Schatztruhe stammen und war versteckt im Mast seines Schiffes. Entdeckt hatte diesen Schatz der Legende nach ein armer Tagelöhner, der damit beauftragt worden war, ihn abzubauen. Dabei fiel ihm auf, dass er innen hohl war…

St. Katharinen mit seiner goldenen Krone ist die Kirche der Schiffbauer und Kaufleute