Caroline Kiesewetter – Von wegen Sommerpause!

In den Hamburger Kammerspielen läuft das Stück Tour de Farce. Eine Komödie mit zehn Rollen für zwei Schauspieler.

Ich ziehe die Perücke zurecht und klopfe an die Hotel Zimmer Tür. Tim öffnet und ich sage: „Hallo ich bin's, die Pam Blair!“ Tim kuckt mich überrascht an. „Hallo….. Kommt jetzt schon diese Szene?“ „Stooooop!“ ruft Axel. „Caro, du bist jetzt erst Rebecca und danach hast du den schnellen Umzug auf Pam und kommst aus dem Wandschrank und Tim tritt dann als Gunnar auf und ist jetzt noch Herb.“ „Ach, so was blödes!“ sage ich, „ich weiß gar nicht mehr wer ich wann wer bin.“ Es ist Montagmorgen. Wir sind im Proberaum und arbeiten uns mühselig durch die vielen Umzüge einer rasanten Komödie.

Die meisten Theater in Hamburg haben von Ende Juli bis Anfang September Theaterferien. Nicht so die Hamburger Kammerspiele. Der Intendant Axel Schneider sucht gerade für diese Zeit jedes Jahr ein Theaterstück aus, bei dem sich die übrig gebliebenen Hamburger, die nicht in die Ferien gefahren sind und lieber die Hansestadt genießen wollen, unterhalten lassen können. Dieses Jahr ist das Stück sogar Chefsache. Und so führt Axel Schneider bei dieser temperamentvollen Komödie „Tour de Farce“ von Philip la Zebnik und Kingsley Dey selbst Regie.
Die Geschichte geht so: Herb ist mit seinem Beziehungsratgeber „Ehe währt für immer“ auf Promotionsreise. Seine Frau Rebecca begleitet ihn und sie checken in einem Hotel einer amerikanischen Kleinstadt ein. Dass die Ehe während der 10jährigen Entstehung des Buches kaputt gegangen ist, darf natürlich niemand wissen. Seine Frau wahrt den schönen Schein nur aus Tantieme-Gründen. Die Talkshow Moderatorin Pam Blair wittert eine Story und postiert ihren schwedischen Kameramann im Wandschrank, um die Lebenslüge des Autors zu entlarven. Als dann auch noch Rebeccas Jugendliebe, Senator Grant Ryan, die Nachbarsuite bezieht, um sich mit seiner Geliebten Gwenda zu treffen, scheint das Chaos perfekt…

Die Hamburger Kammerspiele befinden sich im schönen Grindelviertel. Vor mehr als 70 Jahren öffnete sich das erste Mal der Vorhang unter der Leitung von Ida Ehre. Seitdem bot das Theater vielen Schauspiel- und Regiegrößen ein Zuhause.
Ich freu mich wahnsinnig, bei dieser Sommerproduktion dabei zu sein. Und dann auch noch mit meinem Lieblingskollegen Tim Grobe.
Bei Probenbeginn haben wir uns gefragt, was schwieriger zu spielen ist. Eine Komödie oder eine Tragödie? Jedes Genre hat natürlich seinen Reiz und natürlich auch seine Stol-persteine. Ich finde, bei einer Komödie kommt es wie im richtigen Leben auf das richtige Timing an. Über guten Humor lässt sich ja bekanntlich streiten, wie über guten Geschmack. Ich persönlich finde eine Komödie schwieriger zu spielen. Der Grad zwischen witzig und albern ist sehr schmal. Und Tim? Was findest Du komisch? „Wenn Menschen schrecklich bemüht sind, sich sehr, sehr ernst zu nehmen. Komödie ist für mich wie Mathematik oder Rockmusik. Sie ist errechenbar, sie ist auszählbar und sie ist philosophisch genauso ernst zu nehmen, wie eine Tragödie.“

Wer also in Hamburg geblieben ist oder als Besucher unsere wunderschöne Hansestadt genießt und die Hoffnung auf gutes Wetter noch nicht aufgegeben hat, der hat vielleicht Lust, uns in der Hartungstrasse vom 30.7. bis 17.9. zu besuchen. Wir würden uns freuen.

Ihre
Caroline Kiesewetter Alle Vorstellungstermine unter:
http://www.hamburger-kammerspiele.de