Qualität & Kult: Ernst Brendler

Wenn man so durch die Innenstadt geht, kann man schon mal verzweifeln: Überall nur Ketten, ständig das gleiche modische Angebot, Individualisten haben es da schwer. Zumindest die, die Ernst Brendler nicht kennen.

Das Schaufenster wirkt erst einmal wie aus der Zeit gefallen. Eine Puppe im Tropenanzug? Mit Moskitonetz? Richtig. Wir stehen vor dem Geschäft „Ernst Brendler Tropen- und Marineausstatter“ in der Nähe des Hamburger Rathauses.
Dazu passt auch das Schild im Schaufenster: „Richtige Tropenkleidung aus reiner Naturfaser (ohne Synthetik) garantiert Wohlbefinden auch an extrem heißen Tagen”  – und liegt damit im Trend zu natürlichen Materialien. Dennoch bleibt das Schaufenster orientierungslosen Onlineshoppern wie ein schräges Stopperbild in der Timeline stecken.

Eine charmante, andere Welt

Wer jedoch auf der Suche ist nach einem Einkaufserlebnis, das in schönem Kontrast steht zu uniformierter Gleichmacherei oder seelenlosem Online-Shopping – der sollte den Besuch bei Brendler wagen und eine ganz andere Welt betreten. In dieser regiert zurzeit Ingrid Osthues, geborene Brendler, die häufig im Schottenrock anzutreffen ist. Dieses Bekenntnis zu feinem Tuch zieht sich dann auch ganz folgerichtig durch das gesamte Angebot bei Brendler. Feine Wolle, edles Leinen und butterweiches Leder sind hier zu Hause. Das passt perfekt zum Wunsch nach mehr Qualität und vor allem Nachhaltigkeit. Davon spricht hier aber niemand, weil beides schon so lange zum Markenkern bei Brendler gehört, dass es selbstverständlich ist.

Apropos lange: Es gab in Hamburg weder einen Hauptbahnhof noch einen Elbtunnel, als der Urgroßvater von Ingrid Oesthues in der Stadt eintraf. Der Tuchweber aus Schlesien wollte sich einen Namen als Uniformschneider für die Marine machen. Das erste Geschäft eröffnete er in der Straße Vorsetzen, also in direkter Hafennähe. Die Flying P-Liner und die Lisa-Reederei gehörten zu den ersten Kunden.

Auch heute noch fühlt man sich bei Brendler in die Vergangenheit versetzt. Daran hat natürlich die Einrichtung einen großen Anteil. Schwere Eichenschränke und wunderbar nostalgische Umkleidekabinen, ein Schaukelstuhl mit Springbockfell und Staubwedel aus Straußenfedern machen das Interieur einzigartig. Die Theaterstühle aus dem Altonaer Kindertheater im ersten Stock sind im Vergleich mit 25 Jahren sogar noch sehr jung. Ganz im Gegensatz zur charmanten Registrierkasse, die heute leider nicht mehr rattern darf, weil der Fiskus für Nostalgie nur wenig Verständnis hat.

Zum Glück kommen nicht nur Senatoren oder Mitglieder der Vorstandsetagen zum Einkaufserlebnis. Das liegt auch daran, dass die Adresse innerhalb hanseatischer Generationen weitervererbt wird. Der gute Caban gehört – wie der obligatorische Mont Blanc Füllfederhalter – zur Grundausstattung bei der Konfirmation. Mit dem Wissen, dass hier ein Stück zum Tragen kommt, das seinen Träger über einen großen Zeitraum begleiten kann.
Darüber hinaus kommen aber auch vermehrt andere Kunden, die durch Qualität und Nachhaltigkeit überzeugt wurden. Der Tropenhelm ist das einzige Accessoire, das ein wirkliches Nischendasein pflegt. Moskitonetze für Mikroabenteuer an der Elbe kann man dagegen immer gebrauchen.

Beratung mit viel Know how

Beratung findet hier mit Hingabe zum Menschen statt. Ingrid Osthues, geborene Brendler, ist nur eine aus dem Team mit echter Ahnung und Kompetenz. Als hätte sie das Tuch persönlich gewebt.

In Sachen der Qualität hat sich bis heute nichts geändert. Sie ist oberste Maxime bei Brendler. Wer billig kauft, kauft teuer. Die Lederjacken sind nach allen Vorschriften der Ämter und der eigenen Ansprüche gefertigt. Ein Versprechen für einen Lebensbegleiter.

Noch ein Wort zum Thema Tropenbekleidung. Wer diesen Begriff nicht ganz so wörtlich nimmt, sollte sich das Sortiment bei Brendler ruhig einmal genauer ansehen: So besticht der Tropenanzug durch seine Qualität aus 75% Schurwolle und 25% Mohair. Damit macht man auch eine gute Figur, wenn es im Vorstandsmeeting einmal heiß hergeht.

Eine Geldkatze findet man hier auch. Globetrotter wissen dieses zu schätzen. Die Geldkatze, die am Gürtel befestigt wird, ist nämlich fast so sicher wie Bitcoins. Aber mit Add ons, Gadgets, Marketing-Speech und alle den anderen modischen Buzzwords hat man es nicht so im Hause Brendler. Der Folder  am Verkaufstresen könnte auch aus der Abteilung historische Museen stammen. Die einzige Neuerung im Werbefolder ist die Tatsache, dass nunmehr auch mit Kreditkarte gezahlt werden kann.

Tipp: Für den Herbst ist ein Troyer aus reiner Merinowolle (salzwasserfest gefärbt) immer eine gute – und hanseatische – Idee. Fair im Preis und fair aus der Region. Das ist Einzelhandel , so wie wir es uns mit auch für die die nächsten Dekaden bei Brendler und als Vorbild für andere Unternehmen wünschen würden.
Ernst Brendler
Große Johannisstraße 15
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 11.00 bis 17.00
Samstag 11.00 bis 15.00