Mary Warburg: die Unsichtbare

Familienszene von Mary Warburg mit viel Liebe zum Detail auf die Leinwand gebracht. Eines der seltenen und wenigen Ölgemälde. Ölgemälde brauchten mehr Zeit.


„Auf Augenblicke frei und glücklich” ist der Titel einer Ausstellung im Ernst Barlach Haus, die dort noch bis zum 21. Juni zu sehen ist. Mary Warburg war und ist immer im Schatten ihres fast allgegenwärtigen Mannes Aby. Karsten Müller, Leiter des Barlach Hauses, versucht hier in der zweiten Reihe der Museumswelt künstlerischen Protagonisten eine Bühne zu geben. Die bisher scheinbar unsichtbare Frau von Aby Warburg gehört dazu.

Aby Warburg war bis vor kurzem in der Sammlung Falckenberg ausgestellt und kommt mit der Werkschau „Blitzsymbol und Schlangentanz –  Aby Warburg und die Pueblo-Kunst“ ins Museum am Rothenbaum. Mary Warburg (1866-1934) dagegen ist im Museum im Westen der Stadt zu sehen – eine großartige Malerin und Frau der Zeitgeschichte einer großbürgerlichen Familie. Sie war eine Tochter des Hamburger Senators und Kaufmanns Adolph Ferdinand dessen Gattin Maria, geborene Goßler.

  • Szenen einer Ausstellung: Mary Warburg im Barlach Haus

„Anlass für die Ausstellung über Mary Warburg ist das 2020 erschienene und 500 Seiten starke Werk von  Bärbel Hedinger und Michael Diers über die Künstlerin und ihre Facetten,“ so Karsten Müller. Ein Gegengewicht Aby Warburg zu bieten und ganz im Thema der Genderdebatte auch hier einen anderen Blick hinter die Kulissen einer großbürgerlichen Familie zu ermöglichen, sind ebenfalls Ziele der Ausstellung.

Leihgaben aus der Hamburger Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle als Nachlassverwalter von Mary Warburg ist ein Möglichmacher dieser sehenswerten Ausstellung. Der wesentliche Anteil der über 70 Werke stammt vom Glockengießerwall.  Die Kunsthalle oder aber vielmehr der Förder Alfred Lichtwark, als erster Direktor dieses Museums, standen der Künstlerin in damaligen Zeiten schon nahe.  Mary Warburg gehörte der von Lichtwark gegründeten Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde (GHKF) an, an deren Ausstellungen sie von 1894 bis 1898 auch teilnahm.

Schöne ergänzende Werke aus dem Londoner Warburg Institute und private Leihgaben runden die Ausstellung hier in den Räumen des Hauses im Jenischpark ab. Die Hamburg-Sujets am Elbstand, oder der Blick auf Altona begeistern ebenso wie die Detailtiefe und genaue Wiedergabe der zeitgenössischen Wasserfahrzeuge und der Umgebung.

An den romantisch wirkenden Pastellen und Aquarellen aus Hamburger Parks oder der Bleickenallee lassen sich botanische Beobachtungen wie auch naturalistische Wiedergaben der Straßenzüge entdecken.Die großbürgerliche Umgebung und der Blick als Mutter spiegelt sich in der Wiedergabe vieler Kinderbilder wider: lesend oder in idealisierter Weise spielend.

Dazu kommen handwerkliche Studien aus verschiedenen Zeiten ihres Schaffens als junge Frau, als Mutter oder als reife Frau, die die Totenmaske Ihres Mannes zu einer Plastik formt. Die Ausstellung kann den Spiegel des Schaffens über die verschiedenen Perioden gut darstellen. Die Bühne hier im Barlach Haus ist gut gewählt, damit die Unsichtbare ein wenig mehr Sichtbarkeit erhält!

Einen Rundgang mit der Warburg-Expertin Bärbel Hedinger am 13. März oder am 8. Mai legen wir nahe, nicht ohne den Verweis, dass der Park hier im Westen eine Museumscard für drei Museen bereithält.(Jenisch Haus, Eduard Bagheer, Ernst Barlach Haus).

Ernst Barlach Haus
Stiftung Hermann F. Reemtsma
Jenischpark                                     
Baron-Voght-Straße 50A
Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr