Interview mit dem Planetarium-Chef Thomas Kraupe zum Geburtstag des Sternentheaters

In diesem Jahr feiert das Planetarium Hamburg gleich zwei Geburtstage. Die Institution selbst wird 90 Jahre alt und der Planetariums-Chef Thomas Kraupe ist seit 20 Jahren dabei. Zum Jubiläum sprach der Hamburg Guide mit dem Astrophysiker.

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Wo liegt für Sie die besondere Faszination des Planetariums?

Für mich ist das Planetarium ein einzigartiger Begegnungsraum, in dem wir in den Kosmos eintauchen können. Hier wird die größte Geschichte überhaupt erzählt: die Geschichte der Weltentstehung. Dazu kommt die beeindruckende Architektur des Hamburger Planetariums – eine echte Kathedrale des Kosmos.

Welche Bedeutung haben die Sterne für Sie?

Sterne sind nicht nur um uns herum, sie sind auch Bestandteil allen Lebens auf der Erde und somit auch des Menschen. Jedes Atom ist ein Produkt der Sterne und ohne sie gäbe es keine chemische Verbindungen.

Das Planetarium trägt auch den Namen „Sternentheater“. Warum?

Weil wir Geschichtenerzähler sind. Das Planetarium ist kein Museum, sondern eine Bühne. Hier wird die größte Geschichte überhaupt erzählt. Vom Werden, Sein und Vergehen. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Diese Fragen sind ebenso Bestandteil im Planetarium. Und wir inszenieren die Geschichten des Kosmos mit den Stilmitteln des Theaters. Dabei sind die kosmischen Landschaften unsere Bühnenbilder.

Haben Sie einen Lieblingsstern?

Auf jeden Fall die Sonne. Jetzt werden viele Leser stutzen, denn die Sonne gilt in unserer Betrachtung nicht als Stern. Aber natürlich ist sie einer – wir nehmen die Sonne nur anders wahr, weil sie der Erde von allen Sternen am nächsten ist. Aber ich mag auch den Sirius, weil er so hell funkelt.

Welches war Ihr persönliches Highlight in den 20 Jahren, die Sie mittlerweile Planetariums-Chef sind?

Vor allem die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen gehören zu meinen Highlights. Das gilt vor allem für Rolf Zuckowski, mit dem wir unter anderem „Der kleine Tag“ inszeniert hat. Ein wunderbarer Mensch mit ganz viel Interesse an anderen Menschen – und mittlerweile ein echter Freund.

Die Produktion „Der kleine Tag“ entstand in Zusammenarbeit mit Rolf Zukowski. ©Malzkornfotos

Welches Event wäre für Sie ein echter Traum?

Ein echter Traum von mir ist eine Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Oscar-Preisträger Hans Zimmer. Mal sehen, wie sich das realisieren lässt. Manchmal müssen Träume nämlich keine bleiben.

Was waren in den 90 Jahren seit Bestehen des Planetariums die Höhepunkte?

Natürlich generell die Eröffnung. Aber am beeindruckendsten ist für mich die Sammlung von Aby Warburg, die er seinerzeit zur Eröffnung des Planetariums beigetragen hat. Diese „Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde“ zeigen vor allem, wie der Mensch über den Kosmos gedacht hat. Eine perfekte Fusion von Geistes- und Naturwissenschaften. Zurzeit ist diese Sammlung eingelagert. Wir arbeiten allerdings daran, sie wieder im Planetarium der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu suchen wir aktuell nach Förderern.
Ein echter Meilenstein war sicher auch die Tatsache, dass das Hamburger Planetarium als einziges neben Jena im Krieg nicht zerstört wurde und bis auf wenige Ausnahmen durchgehend geöffnet war.
Und natürlich hat auch mein Vorgänger, Prof. Erich Übelacker, etliche Highlights geschaffen, in dem er das Planetarium für Familien und Kinder zugänglich gemacht, die technische Ausstattung immer mehr verbessert und Konzerte initiiert hat.

Wo sehen Sie das Planetarium in zehn Jahren?

Als immer noch eines der führendsten Planetarien der Welt. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir weitere Bereiche – vor allem den Wasserkessel in unsere Event- und Ausstellungsfläche integrieren können. Darüber hinaus möchten wir die Zugangsmöglichkeiten zur Welt des Planetariums weiter ausbauen. Durch digitale Medien wie etwa Apps und Livestreams. Und wir möchten Vernetzungen vorantreiben, etwa mit dem geplanten Science-Centern wie dem Evolutioneum.

Das Foyer des Planetariums. @Fotografenwerk Hamburg