Holocaust-Gedenktag: gegen das Vergessen

Am 27. Januar 1945 endete für zahllose Menschen ein unsagbarer Schrecken. Damals befreiten Soldaten der Roten Armee die Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Bis heute steht dieser Name für das millionenfache, industrielle Töten von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und politisch Verfolgten. Jedes Jahr am 27. Januar gedenkt die Welt dieser Gräueltaten.

In diesem Jahr gibt es zum Holocaus-Gedenktag eine weltweite Aktion: Unter dem Hashtag #WeRemember erinnern weltweit Menschen an den Holocaust.

Der Holocaust in Hamburg

Gedenktafel am ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten lebten in Hamburg rund 19.000 Menschen jüdischen Glaubens. VIele von ihnen in den Vierteln rund um den Grindel. Schon bald nach der Übernahme durch die Nazis wurden viele Juden aus dem Staatsdienst entlassen. 1935 musste der jüdische Friedhof am Grindel geschlossen werden.

In der Reichsprogromnacht 1938 schließlich wurden fast alle Synagogen in der Hansestadt zerstört. Im gleichen Jahr öffnete im Südosten von Hamburg das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands seine Tore zur Hölle: das KZ Neuengamme. Es waren mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa im Hauptlager und in über 85 Außenlagern inhaftiert. In Neuengamme, in den Außenlagern und bei Kriegsende im Zuge der Lagerräumungen starben mindestens 42.900 Häftlinge. Das Gefängnis in Fuhlsbüttel wurde ebenfalls zum Konzentrationslager – und zwar bereits 1933. Zunächst wurden hier vor allem Regimekritiker eingewiesen, später jedoch wurden hier auch jüdische Menschen, Sinti und Roma oder Zeugen Jehovas interniert.

Die Gedenkstätte Bergen Belsen mit dem jüdischen Denkmal, dem Obelisken und der Inschriftenwand. © Klaus Tätzler

Ein besonders grausames Beispiel für den Terror der NS-Zeit findet man vor den Toren Hamburgs, genauer gesagt in der Südheide: das KZ Bergen-Belsen. Hierher wurden vor allem Menschen aus anderen Konzentrationslagern deportiert, die krank und arbeitsunfähig waren. Zwar war auch Bergen-Belsen kein Vernichtungslager. Trotzdem starben hier tausende. An Unterernährung, Folter und Krankheiten wie Ruhr oder Fleckfieber.

Unter den Häftlingen in Bergen-Belsen war auch das wohl prominenteste Opfer der Nationalsozialisten: Anne Frank. Sie starb dort voraussichtlich im Februar 1945 an Fleckfieber. Bis heute gehört „Das Tagebuch der Anne Frank“ zu den eindringlichsten Dokumenten jener schrecklichen Zeit.

Das Ende des Terrors

In der Gedenkstätte Neuengamme kann man auch den Spuren der Kinder vom Bullenhuser Damm nachgehen © agenda /Michael Kottmeier

Im April 1945 entdeckten die Briten das Lager Bergen-Belsen und befreiten die verbliebenen Insassen. Neuengamme aber war leer, als die englischen Besatzer einige Wochen später dort eintrafen. Kurz vor Kriegsende hatten die Nationalsozialisten versucht, alle Spuren ihrer Gräueltaten zu beseitigen. So ermordeten sie am 20. April 1945 insgesamt 20 Kinder in der Schule am Bullenhuser Damm. Zwischen fünf und zwölf Jahre alt waren die Kinder, an denen man vor ihrem Tod durch Erhängen grauenhafte medizinische Experimente durchgeführt hatte.

In allen drei Konzentrationslagern ist heute eine Gedenkstätte untergebracht, in der sich die Lebenswege der Deportierten nachvollziehen lassen und die Maschinerie des Grauens in Erinnerung bleibt.

In Hamburg erinnern auch die sogenannten Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus. Aber nicht nur an die Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch an die Zwangsarbeiter und deren Kinder, von denen rund 400 in Hamburg starben. Die meisten von ihnen an Auszehrung, der schlimmsten Stufe der Unterernährung.

Vor allem aber ist das Mahnmal St. Nikolai eine steinerne Erinnerung an die Nazi-Herrschaft in Hamburg. Die ehemalige Hauptkirche wurde während der Luftangriffe komplett zerstört. In den Ruinen findet sich heute ein Museum. Im Zuge der Corona-Pandemie ist dieses jedoch geschlossen. Auch öffentliche Gedenkveranstaltungen finden dementsprechend nicht statt.

DIese Stolpersteine findet man in der Bieberstraße

Fotos oben in der Galerie: Haus des Gedenkens: Alexander Glaue, Rosengarten: Iris Groschek