Hamburgs schöne Seiten: unterwegs an der Bille

Idylle mit vielen Wasserwegen. Das Bille-Gebiet. ©Maike Brunk

„An de Alster, an de Elbe, an de Bill“ heißt es in einem bekannten Schlager. Doch kaum ein Hamburger kennt die Bille so richtig. Dabei ist sie mit 65 km Länge Hamburgs zweitlängster Fluss. Die Bille entspringt in Lienau, in der Hahnheide, hinter dem Sachsenwald und erreicht bei Bergedorf das Hamburger Stadtgebiet.

Am besten erkundet man die östliche Bille in den Stadtteilen Hammerbrook, Hamm-Süd und Rothenburgsort von der Wasserseite aus: mit dem Paddelboot, per SUP oder mit einer Barkasse. Es bieten sich aber auch von der Landseite viele spannende Blicke auf den Fluss.

Beginnen wir unsere Bille-Radtour an der offiziellen Mündung zur Elbe, an der Brandshofer Schleuse. Der Radweg von den Deichtorhallen zu den Elbbrücken entlang des Oberhafenkanals führt genau darüber hinweg. Unmittelbar hinter dem Großmarkt-Gelände befindet sich die große alte Schleusenkammer. Die ist auch heute noch bei passendem Wasserstand werktags in Betrieb. Fast täglich werden zahlreiche mit Mais beladene Transport-Schuten zur Stärke-Fabrik geschleust.

Im weiteren Verlauf des Fahrradweges lohnt ein kleiner Abstecher nach links zur nahegelegenen Oldtimer-Tankstelle am Brandshof. An den Wochenenden treffen sich hier die Freunde alten Blechs und es gibt bei einem Stück Kuchen und einem Becher Kaffee viel zu gucken. Direkt gegenüber schauen wir in einem Bille-Stichkanal auf die ersten Motorboote.

Von der Tankstelle aus geht es entweder über das große Verkehrs-Kleeblatt an der Einfahrt zum Stadtteil Rothenburgsort an der Billstraße vorbei Richtung Heidenkampsweg. Alternativ fahren wir auf dem Radweg am Oberhafenkanal weiter vorbei am Billhafen bis zum Alexandra-Stieg am Holiday Inn Hotel und von dort Richtung Hammerbrook.

Das Geheimnis der farbigen Brücken

Eine von sechs farbigen Brücken am Bille-Lauf

Die Schwarze Brücke im Verlauf des Heidenkampswegs ist eine von sechs farbigen Brücken am Lauf der Bille. Außerdem gibt es noch die Grüne, die Rote, die Blaue, die Braune und die Gelbe Brücke. Bis heute werden die Brückengeländer der jeweiligen Brücke in der entsprechenden Farbe gestriche. Früher diente dies der überwiegend analphabetischen Bevölkerung in den Arbeiterquartieren zur besseren Orientierung.

Am Bullerdeich erwartet uns das ehemalige Gelände der Stadtreinigung. Hier wird im Zuge der Errichtung eines Grünzugs zwischen Alster, Bille und Elbe die Fläche des früheren Recyclinghofes als öffentliche Grünanlage PARKS kreativ umgestaltet und lädt zu kleinen Entdeckertouren ein.

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Weiter am Heidenkampsweg lohnt der Blick hinter die mächtigen Büroblöcke. Das Hochwasserbassin, das sich bis zum Berliner Bogen am Anckelmannsplatz erstreckt, ist mit dem Victoriakaiufer Heimat für einige sehr moderne Hausboote geworden. Einige davon werden sogar als Ferienhäuser vermietet, ein anderes dient den NDR „Ernährungs-Docs“ als Drehort.

An der Wendenstraße radeln wir hinter der Eisenbahnbrücke zur ehemaligen Schokoladenfabrik. Früher wurden hier Schokokringel mit Zuckerstreuseln produziert. Heute bieten sich in dem markanten roten Backsteinbau kombinierte Wohn- und Gewerbeflächen mit Bootsanleger am Südkanal.

Die Kanalsysteme in Hammerbrook und Hamm-Süd sind dem Baumeister William Lindley zu verdanken, der hier attraktive Gewerbeflächen zwischen dem Süd-, dem Mittel- und dem Nordkanal geschaffen hat. Der Nordkanal wurde nach dem 2. Weltkrieg zugeschüttet und findet sich heute nur noch als Nordkanalstraße im Stadtplan.

Ein Prachtbau wie aus vergangenen Zeiten

Prachtbau: das Störtebekerhaus

Von der Wendenstraße radeln wir rüber zur Süderstraße. Zwischen Autohändlern und Etablissements des horizontalen Gewerbes ragt plötzlich am Kreisverkehr zum Borstelmannsweg eine große Marmorsäule mit goldener Hansekoggge vor uns auf, Kanonen zieren die Fläche. Ein Münzhändler hat 2004 hier das Störtebekerhaus als prachtvolles Kontorhaus errichtet. Es scheint wie aus der Zeit gefallen und passt mit seiner gediegen hanseatischen Fassade mit Wappen, Türmchen und Flaggen so gar nicht in das eher trostlose Umfeld. Täglich um kurz vor 12 erklingt sogar ein Glockenspiel. Dann segeln Störtebeker und die Vitalienbrüder vor der anschließenden Hinrichtung als Figurenspiel durchs Bild.

Wir radeln auf der Süderstraße weiter und gelangen ins Osterbrook-Quartier, ein an dieser Stelle unerwartetes gediegenes familienfreundliches Wohngebiet mit zahlreichen Genossenschaftsbauten und viel Wasser. Die Bille ist allgegenwärtig. Für den Autoverkehr ist die Süderstraße am Rückerskanal unterbrochen. Lediglich Fußgänger und Radfahrer können hier den Kanal überqueren. Auf der westlichen Seite führt der Weg weiter zum bekannten Tierheim Süderstraße.

Es lohnt ein Abbieger nach rechts zur nahen Braunen Brücke. Hier bietet sich ein idyllischer Blick auf die wohl schönsten Kleingärten der Stadt rund um die Billerhuder Insel. 600 Parzellen, viele davon mit Wasserzugang und privaten Bootsanlegern.

Kleingarten-Paradies mit Bootsanleger auf der Billeinsel

Über die Braune Brücke, die Billerhuder Insel und den Ausschläger Billdeich gelangen wir zum Ende unserer Bille-Erkundungstour schnell zur S-Bahn-Station Rothenburgsort oder wir nutzen die Tour für einen Café-Abstecher zum nahen Elbpark Entenwerder oder zur Wasserkunst-Elbinsel Kaltehofe.

Wer die Bille vom Wasser aus entdecken möchte: Unsere Autorin Maike Brunk bietet eine ebenso unterhaltsame wie informative Barkassen-Tour mit dem Titel „Kanal-Idylle Bille“. Die Hamburger Elbinsel-Tour Maike Brunk erreicht Ihr unter http://www.elbinsel-tour.de