British Feeling made in Hamburg – Bushopping durch Hamburg

Ich habe Besuch von außerhalb und der will Hamburg sehen. Die Sonne scheint, also beste Voraussetzungen, um meinem Besuch Hamburg von seinen schönsten Seiten zu zeigen. Für unseren Ausflug wähle ich den blauen Doppeldeckerbus von HCT Hamburg City Tours, weil man hier, anders als bei anderen Stadtrundfahrten, an jeder der 15 Haltestellen die Möglichkeit hat, auszusteigen, wo man Lust hat und später an der gleichen Stelle oder an einer anderen wieder zuzusteigen. Alles mit dem gleichen Ticket. Die HOP ON HOP OFF-Tour startet alle halbe Stunde am Hauptbahnhof, verkehrt von einer Attraktion zur nächsten und bietet 90 Minuten lang den besten Blick auf Hamburg.
Unser Tourguide Philipp ist ein lustiges Kerlchen und würzt die Fahrt mit viel Fakten über Hamburg. So lerne selbst ich als Einheimische noch dazu und staune, in was für einer Stadt der Superlativen ich zu Hause bin. Auf dem Weg zur Hafencity begrüßt uns über den Deichtorhallen der zweitgrößte Highflyer der Welt (der größte schwebt über Paris). Vis á vis der ultramodernen Hafencity liegt die ab 1885 auf Eichenpfählen errichte Speicherstadt. Sie ist das größte Lagerhauskomplex der Welt, das das weltgrößte Teppichlager beherbergt. Nächstes Jahr verleiht die UNESCO der Speicherstadt den Status als Weltkulturerbe.
Meine gute Laune wird ein wenig getrübt, als wir am neuen Hamburger Wahrzeichen, der seit Jahren im Bau befindlichen Elbphilharmonie vorbeifahren. Imposant und wunderbar – aber bis dato ein Millionengrab. Weiter geht’s in Richtung Landungsbrücken: Anlegestelle für Dampfschiffe, Hafenrundfahrten, meist besuchtester Ort Deutschlands und ehemaliges Tor zur Welt. 500.000 Menschen suchten von hier aus ihr Glück in die neue Welt.
Wir verlassen den Hafen, der jedes Jahr das – genau – weltgrößte Hafenfest zelebriert in Richtung sündigste Meile der Welt, der Reeperbahn. Hier geht abends die Post ab. Ich erinnere mich wehmütig an durchfeierte Nächte, die meist frühmorgens auf dem Hamburger Fischmarkt endeten. Bye, bye altes Haus, nun geht es in die 1200 Jahre Altstadt. Am Rathaus machen wir einen fünfminütigen Fotostopp. Dieses steht auf auch Eichenpfählen. Auf 4000 Stück. Ich erfahre so viel neues über Hamburg während der Tour! Es geht hoch die Mönckebergstraße, vorbei an Deutschlands größtem Schuhgeschäft, schickester Ladenpassage und weltgrößtem Elektrofachmarkt.
Allmählich nähern wir uns der Außenalster mitsamt Hamburgs feinen Adressen. Ca. 100 Konsulate sind um Hamburgs teuerstes Naherholungsgebiet, das exakt so groß und fast so teuer wie Monaco ist, aufgereiht. Hier entsteht ein 5*+ Hotel, hier nannten Modezaren wie Joop, Sander, Lagerfeld ein oder zwei Villen ihr Eigen, hier residierten Promis wie Boris Becker oder Romy Schneider, hier kostet der Quadratmeter 19.000 Euro. Aber ganz ehrlich – wenn ich Geld hätte, würde ich mich hier auch niederlassen.
Wir fahren vorbei an einen meiner Lieblingskioske, der Alsterperle. Obwohl Schicki-Micki-Treff nehme auch ich hier gerne einen Sundowner. Leider ist kein Stopp vorgesehen und wir segeln mit Lokalmatador Lotto King Karl und seiner Interpretation von „Hamburg meine Perle“ wehmütig gen Tourende entgegen. Hach, es war ein schöner Tag.Bettina Hassemer