Unter die Haut: Hafenkultur

Kunst kommt von Können. Das Gewerbe des Tätowieres hat sich gewandelt. Der „erste”, „älteste” Tätowierer Deutschlands, der hier in Hamburg ansässige Herbert Hoffmann, hat viel zum positiven Ansehen des Gewebes beigetragen.
Weg von blauen Bildern, hin zu Kunst. Wenn auch er von Anker, Herz, Glaube-Liebe-Hoffnung lebte. Mit den damaligen Mitteln der Technik ging er an die Grenzen. Er dokumentierte, bewahrte und trug auf vielen Conventions dazu bei das Ansehen zu verbessern. Der Tattoos als Gesamtkunstwerk begriff und auch den Menschen an sich betrachtete.
Wer sich tätowieren lässt, weiß, dass er sich ein für allemal für sein ganzes Leben festlegt. Die Älteste Tätowierstube Deutschlands. Rechts: Herbert Hoffmann in der Schweiz in die er 1981 mit seinem Partner übersiedelte. © Herbert Hoffmann
Herbert Hoffman prägte mit seinem Geschäft das Bild der Seilerstraße. Die im Schaufenster befindlichen Grafiken, legen von der Bandbreite des Tätowierens Zeugnis ab. Diese Panels sind heute so nicht mehr üblich, Websiten oder dezent ausgelegte Kunstbücher haben das übernommen. Bloody-Ink. Endlesspain, burning needles, tatoo-exotica – in Zusammenhang mit Namen oder wilder Grafik spielen die heutigen Studios in Hamburg mit dem BadBoy-Image der Vergangenheit, dem bürgerlich geächteten Ansehens der Szene.
In der Kastanienalle unweit des St. Pauli Museums befindet sich das Tattoostudio Dänemark. Peter Hunter, der sich noch im Verständnis von Herbert Hoffman dem Verständnis des tätowierens hergibt. Die Schaufenster und das „Windowshopping” lohnt sich, hier stehen die Panels. Man mag geneigt sagen hier verkauft einer eine ehrliche Haut! Wir können aber in der Tat aus redaktioneller Sicht keine Expertise abgeben. Das Kiezmuseum in der Davidstraße17, 80m weiter, ist schon eher ein Ort an dem man sich mehr über die ehemalige Szene um Herbert Hoffmann und der feinen Gesellschaft, die sich hat verzieren lassen, einen Eindruck verschaffen. Günter Zint, das fotografische Auge und Gedächtnis, als Bewahrer und sozialkritscher Hinterfrager, zeigt mit seinen Bildern zu diesem Beitrag, wie es in den 60er 70er Jahren am Kiez und in der Tattooszene zuging. 

Seitdem die Frau des Bundeskanzlers, Bettina Wulff, mit Tribal und Arschgeweih glänzte, ist das Tattoo in der Mitte der Bürgerlichkeit angekommen! Ob das Tattoo als dauerhaftes Bekenntnis den Träger besonders auszeichnet, wie Herbert Hoffmann immer betonte, mag man bei einem Besuch in einem Hamburger Schwimmbad an der Bandbreite der Trägerschaft und der Kunstfertigkeit sehen. Ob Comic-Tattoo, Tribal oder Ornamentik – handwerkliche Unterschiede sind zu erkennen.
Vermeintliche Krakeleien, Schraffuren, Formeln oder Poesiesprüche, den Namen der Freundin in chinesischen Zeichen – das Tattoo als ästhetisches Phänomen für soziale Zugehörigkeit ist aufgehoben. Die im Umkleideraum getauschten Bemerkungen, bei wem man sich hat stechen lassen wirken schwerer als das Motiv an sich.
Echte Tattoo Bekenner, laut Herbert Hoffman, erkennt man daran, dass sie sich auch die Hände haben stechen lassen, hier gibt es kein Verstecken!

Die handwerklichen Geschicke und die Grafik einer beliebigen Bodenvase, wen stört das Tattoo heute noch. Wenn ihre Täger durch die Platzierung des Motives sich definieren, so haben heutzutage die Nichttätowierten vielleicht sogar ebenso oder mehr Haltung. Ein Zeugnis, dass die inneren Werte mehr zählen als Grafik auf der Epidermis. Die Grafik der Tattoos geht einher mit der Entwicklung der Popkultur. Modeschmuck als Aufmerksamkeit die bleibt! 
Das Museum für Kunst und Gewerbe nähert sich dem Thema Tattoo auf kulturhistrischer Weise bis zum 6 September.
Der Weg vom seemännischen Mitbringsel, vom etnischen Zeichen zum Konzeptkünstler (Schwein des Anstoßes, Wim Delvoye, das Schwein war betäubt – ansonsten hätte die Zündkerze nicht funktioniert).
Die AutoInkmaschine für temporäre Tattoos ist ein wunderbarer interaktiver Prozess sich intensiv einmal mit dem Thema Kunst auf der Haut zu beschäftigen!