Moin Hafencity, was macht die Kunst? – Diese Frage greifen wir mal im besten Wortsinn auf!

Klar, der hanseatische Edel-Klangkörper Elphi ist fertig und verspricht höchsten audiophilen Kunstgenuss. Auch die Architektur im Quartier kann mit kunstvoll inszenierter Ästhetik glänzen und die fabelhafte Hafen-Kulisse tut ihr Übriges.
Der Kunst, dem werten Befinden der Hafencity dürfte es also durchaus gut bis sehr gut gehen. Sicherer Indikator dafür sind die zahlreichen Sonntagsspaziergänger, die sich am städtebaulichen Gesamtkunstwerk erfreuen. Aber wir wollen ja etwas tiefer blicken, wir machen den walk of Art: Knappe 2 Km und 11 Galerien.

Los geht es direkt am Eingang zur Hafencity mit den Deichtorhallen. Der nicht zu übersehende Hamburger Ausstellungs-Klassiker in der Deichtorstraße 1-2. Halle für aktuelle Kunst und Haus der Fotografie. Große Namen, beeindruckende Werke – für Liebhaber der Fotografie ein wahres Eldorado.

Vom Deichtorplatz geht’s den Brooktorkai runter, über den St. Annenplatz und dann gleich links abbiegen auf den Überseeboulevard, zur Galerie Licht des Hafens. Zwar ist die korrekte Adresse Osakaallee 6-8, aber der Eingang ist am Überseeboulevard. Hier zeigt der Fotograf Soenke Lorenzen seinen ganz eigenen Blick auf Schiffe und Hafen. Seine Werke beeindrucken mit Intensität und Ausdruck. Wahre Kraftwerke…

Weiter geht’s! Die Tokiostraße rechts runter, Am Sandtorpark wieder rechts und bei Hausnummer 2 wartet die nächste Augenweide: Die Metropolitan Gallery von Gregor Bröcker. Modern und Pop Art Werke von ca. 25 internationalen Künstlern wollen in der großzügigen, lichtdurchfluteten Ausstellung entdeckt werden. Aber nicht andächtig ehrfürchtig, sondern so, wie Gallerist Gregor Bröcker es am liebsten mag: Kunst und Künstler ganz nah, fast zum Anfassen, ohne Angst. Das ist seine Philosophie, die er bereits in Gregs Gallery am Timmendorfer Strand erfolgreich erprobte. Und weil´s so schön ist hat Gregor Bröcker eine Hamburger Dependance von Gregs gleich noch als Nachbar der Metropolitan Gallery eingerichtet.

Nun Am Sandtorpark zurück bis zur Hausnummer 12. Das Forum für Kulturwelten der Stiftung StadtLandKunst beherbergt hier eine großartige Sammlung ausgewählter Malerei, Videoarbeiten, Installationen und Skulpturen und ist mit diversen Veranstaltungen eine herausragende kulturelle Begegnungsstätte.

Daneben, Am Sandtorpark 14, zeigt die Glasgalerie Stölting zeitgenössische Skulpturen und Objekte aus Glas von rund 30 international renommierten czechischen Künstlern. Faszinierende Lichtreflexe, Formen, Farben und Schliffe fesseln den Betrachter auf 2 Etagen. Jetzt rechts hinein Am Dalmannkai. Hier gibt’s Kunst im Doppelpack. Am Dalmannkai 4 residiert die Galerie Hafenliebe von Bernd Lahmann. Malereien, Zeichnungen, Drucke und Skulpturen von gut 30 Künstlern wetteifern in Harmonie um die Gunst der Betrachter und verzücken mit einem Formen- und Farbspiel das in Erinnerung bleibt.

Gleich nebenan, Am Dalmannkai 6 lädt Nissis Kunstkantine zum Verweilen ein. Galerie und Restaurant, Kunst und Köstlichkeiten – großartig! Die Ausstellung bietet eine unglaubliche Vielschichtigkeit an zeitgenössischer Kunst. Gemälde, Fotografien und Skulpturen von zahlreichen Künstlern, perfekt arrangiert in ungezwungener, beinahe familiärer Atmosphäre.

Am Dalmannkai entlang, rechts herum auf den Großen Grasbrook. Die Hausnummer 9 ist die nächste Kunst-Tankstelle. Aber eine mit Verfalldatum, eine Pop up Galerie. Sie hat ihre Pforten nur bis Ende März geöffnet. Hier zeigt Fuck You I am Famous, die Galerie der Künstler die Ausstellung Parallelwelten des Künstlers Uli Pforr. Seine Parallelwelten sind Bilder die den Betrachter sofort fesseln, die vor Farbe und Fantasie strotzen, die ihre Geschichten auf eine ganz eigene, intensive Weise erzählen.

Gegenüber geht’s weiter. Noch mal Kunst im Doppelpack. Am Kaiserkai 29 wohnt und arbeitet Lilia Nour. Ihre Werkstattgalerie ist nicht bloß Ausstellung, sonder gleichzeitig das Atelier und die Passanten können sie im Schaufenster bei der Arbeit beobachten. Hier entstehen natürlich Hafenmotive, aber nicht nur, dafür ist ihre Neugierde und Schaffenskraft viel zu groß. Ihre Bilder sind warm und sanft, von unwiderstehlicher Harmonie. Bilder die Ruhe schenken und die Zeit vergessen lassen.
Direkt daneben, Am Kaiserkai 31 ist die finale Anlaufstation. Das kleine Kunsthaus, die Galerie am Kaiserkai ist hier beheimatet. Schöne Treibholz-Skulpturen von Gerd Rother bestechen mit minimalistischer Eleganz und einzigartige, maritime Bilder von Heinke Böhnert, komponiert aus Farbe und Segeltuch, erzählen vom Fernweh, vom Meer, vom Salz in der Luft. Mit ihrer modernen Kunst hat sich die begeisterte Seglerin längst international einen Namen gemacht. Kein Wunder, man kann sich der Faszination ihrer Werke unmöglich entziehen.

Das war er nun, unser walk of Art in der Hafencity, das also macht die Kunst. Im besten hamburgischen Understatement ausgedrückt: Kann sich sehen lassen, oder? Machen Sie sich doch mal Ihren eigenen Eindruck vor Ort. Es lohnt sich und wahrscheinlich gibt es noch mehr Kunst zu entdecken.

Text/Fotos Cord Schumann