
Der Hamburger Hafen zählt aus guten Gründen zu den beliebtesten Attraktionen für Touristen und Bewohner der Stadt. Nirgendwo verbinden sich Weltläufigkeit, Historie und Fernweh so gelungen wie hier. Im Winter allerdings kommt noch eine ganz besondere Atmosphäre hinzu: Nebel, Eis und Schnee verleihen der Hafengegend dann einen märchenhaft-romantischen Touch.

Grau rollt die Elbe, ein Band aus flüssigem Blei. Der Wind trägt den Geruch von Salz und fernen Welten an die Hafenkante. Der Himmel ist nicht blau, er ist ein weiches, müdes Taubengrau.

Die grünen Kuppeln der Abfertigungshalle und der Uhrturm tragen weiße Kronen und unter den Füßen des Spaziergängers im Hafen knirscht leise der Schnee. An den Landungsbrücken lohnt sich auch der Blick nach oben, zu den Skulpturen, die das Mauerwerk schmücken. Besonders passend zu dieser Jahreszeit: der Eisbär. Die Bauplastik wurde von dem Bildhauer Arthur Bock gestaltet, dessen Werke Ihr auch im Stadtpark bewundern könnt.

Die Pontons wiegen sich schwerfällig im Takt, den die Elbe vorgibt, während kleine Eisschollen lautlos vorbeigleiten.
Dort vorne, aus der Nebelwand, schälen sich zwei Schatten: die Cap San Diego und die Rickmer Rickmers, Hamburgs maritime Wahrzeichen, wirken im Winterlicht mysteriös und eindrucksvoll zugleich. Die Reling der Schiffe ist mit feinen Eiskristallen filigran verziert.

Weiter geht es in Richtung HafenCity, wo die Stadt sich neu erfindet. Hier hallen die Schritte zwischen den Fassaden. Ein einsamer Ort im Winter, fernab der sommerlichen Promenaden. Doch gerade darin liegt der Zauber, wenn die Welt zur Ruhe kommt. Im Sandtorhafen liegen die Traditionsschiffe. Das Wasser spiegelt das kühle, fast unwirkliche Winterlicht.

Hier scheint die Zeit zu stocken, wie das Wasser in den Fleeten. Dort, am Rande der Speicherstadt, aus dunkler Bronze gegossen, steht er im Schneegestöber: Klaus Störtebeker, der legendäre Freibeuter, der hier auf dem Grasbrook hingerichtet wurde.

Rückblick: Ende des 14. Jahrhunderts blüht die Wirtschaft in Hamburg, nicht zuletzt durch die Hanse mit ihren Handelsschiffen. Diese bringen Waren aus aller Welt in die Stadt, darunter Teppiche und Gewürze, die wertvoller sind als Gold. Doch auch Piraten haben es auf die kostbare Fracht auf den Koggen abgesehen. Die meist gefürchtete Freibeuterbande segelte unter roter Flagge. Sie nannte sich „Die Likedeeler (übersetzt Gleichteiler). Der Name rührt von der Sitte der Piraten her, die Beute gerecht unter allen aufzuteilen.

Ihr Anführer war Klaus Störtebeker. Der blutrünstige Pirat lehrte den Hamburger Händlern das Fürchten. Ihr Anführer war Klaus Störtebeker.

Woher er kam, ist bis heute ungeklärt. Einige vermuten, dass er ursprünglich aus Rotenburg/Wümme stammte, andere gehen von Wismar als seiner Heimat aus. In ihren Beutezügen waren sie so erfolgreich, dass die Hamburger Kaufleute die sogenannten Friedeschiffe ins Leben riefen, die Störtebeker den Garaus machen sollten. Vor Helgoland kam es 1401 zur entscheidenden Schlacht gegen die Piraten. Klaus Störtebeker geriet in Gefangenschaft.

Mit dem Schiff „Bunte Kuh“ wurde er nach Hamburg gebracht. Dort wurde der Freibeuter hingerichtet.

Vom Grasbrook aus gesehen, ragt die Elbphilharmonie wie ein Eisberg aus dem Fluss, ein Schiff aus Glas. Das Licht bricht sich in den Wellen der Fassade, kalt und klar, und über das Dach wehen leise Schneeschauer – ein Bild voller Magie. Doch der wahre Zauber dieses Hafenspaziergangs beginnt, wenn der Tag zu Ende geht. Dann taucht der Sonnenuntergang den winterlichen Hafen in ein goldenes Glühen und bringt die Eiskristalle zum Funkeln. Eine schönere Gelegenheit, um frische Luft zu tanken und Hamburgs Erbe zu erleben, gibt es kaum.
