Lüneburg: Vom Mittelalter zur Moderne

Liebevoll restaurierte Fassaden und uriges Kopfsteinpflaster: das ist typisch Lüneburg. ©Pixabay

Als Abiturientin hat sich die Verfasserin dieser Zeilen recht häufig in Lüneburg aufgehalten – allerdings mehr in den urigen Kneipen rund um den Stintmarkt. Und bevor an dieser Stelle der eine oder andere Hamburger grient: Lüneburg hat die zweitgrößte Kneipendichte Europas – nach Madrid.

Aber natürlich ist das Nachtleben nicht der einzige gute Grund, mal einen Abstecher nach Lüneburg zu machen. Nur knapp 50 Autominuten von Hamburg entfernt, ist Lüneburg auch ein tolles Ziel für einen Tagesausflug. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Lebendige Geschichte – erbaut auf Salz

Der Hafenkran erinnert an alte Handelszeiten. ©Pixabay

Auf den ersten Blick fällt bereits auf: Lüneburg ist eine Stadt der lebendigen Geschichte. Ihren Reichtum verdankt sie übrigens Salz. Mit dem weißen Gold trieben die Mächtigen der Stadt bereits ab dem Mittelalter regen Handel und die Stadt gehörte sogar zum mächtigen Kaufmannsbund der Hanse. Bis heute sind in der Altstadt erstaunlich viele Häuser aus dieser Epoche erhalten. Denn was Kriege angeht, hatte Lüneburg immer Glück. Genau deshalb kann man in der Altstadt etliche, bestens erhaltene Giebelhäuser aus vergangenen Jahrhunderten bewundern.

Das Rathaus: Erlebnis für Augen und Ohren

Das Rathaus mit seinen Stein-Figuren, die verschiedene Tugenden symbolisieren. ©Pixabay

Ein ganz besonderes Prachtstück ist das Lüneburger Rathaus mit seiner strahlend weißen Fassade. Architektonisch wurde es im Stil der sogenannten Norddeutschen Backsteingotik erbaut. Hier lohnt sich vor allem ein genauer Blick auf die Fassade. Denn von ihr blicken zehn Figuren aus Sandstein, teilweise vergoldet, auf den Marktplatz herab. Es sind aber nicht etwa Prominente ihrer Zeit, die man hier bewundern kann. Vielmehr symbolisieren die Figuren Tugenden wie Strenge oder Wahrheit.

Doch das Lüneburger Rathaus kann man nicht nur bestaunen: Hier gibt es zudem ein ganz besonders Klangerlebnis. Hoch oben im Turm hängt ein Glockenspiel aus 41 Meißener Porzellanglocken, das täglich Kompositionen von Johann Abraham Peter Schulz spielt. Noch nie gehört den Namen? Doch, auch ihr kennt diesen Musiker, denn er hat auch „Der Mond ist aufgegangen“ erfunden. Übrigens: Schulz ist nicht der einzige Komponist, der in Lüneburg seine Spuren hinterlassen hat. Die Michaeliskirche im Westteil der Altstadt wird auch Bachkirche genannt, weil Johann Sebastian hier des Öfteren musiziert hat, als es um 1700 das Kloster-Internat besuchte.

Das Tor zur Hölle liegt in der Altstadt

Die westliche Altstadt von Lüneburg. ©Pixabay

Apropos westliche Altstadt: Die ist deutlich ruhiger als die Altstadt rund ums Rathaus und den Platz Am Sande – und zudem ursprünglicher. Hier sieht man auch hautnah, was die Saline unter der Stadt mit Lüneburg gemacht hat. So manches Haus zeigt nämlich eine kleine Schieflage. In der Frommestraße werden die Erdbewegungen durch die Höhlen im Boden besonders deutlich. Hier gibt es das Tor zur Hölle: zwei Gartenpforten aus Metall, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zusammengeschoben haben.

Wer wissen möchte, wie Salz die Stadt Lüneburg zu Reichtum verhalf, sollte unbedingt dem Salzmuseum einen Besuch abstatten. Prinzipiell funktionierte das so, dass die Salinenarbeiter das Salz aus 20 Meter Tiefe in Form von Sole ans Tageslicht beförderten, sprich als Salzwasser mit hohem Salzgehalt. in großen Pfannen wurde dann das Wasser vom Salz getrennt. Im Deutschen Salzmuseum werden diese Prozesse lebendig und „zum Anfassen“ erklärt. Das Salz lagerte man zunächst in Lagerhäusern am Hafen, bevor es über die Alte Salzstraße weitertransportiert wurde. Der Kran, mit dem die Salzsäcke bewegt wurden, steht auch heute noch am Hafen.

Kontrastprogramm Universität

Markantes Gebäude der Moderne: die Leuphana-Universität. ©Pixabay

Das totale Kontrastprogramm zum historischen Kern Lüneburgs bildet die Leuphana-Universität mit ihrer futuristischen Architektur. Der Entwurf stammt vom Architekten Daniel Libeskind und einigen Studenten der Uni. Mit ihrer kühnen Formensprache ist sie ein beliebtes Fotomotiv. Natürlich darf ein Abstecher in die Lüneburger Heide nicht fehlen, wobei der Begriff ein wenig irreführend ist: Damit werden nämlich alle Heideflächen in der Region benannt. Eigentlich aber gehört Lüneburg zur Ostheide, die sich von Lüneburg bis Wolfsburg erstreckt. Ein berühmter Heideort in der Nähe ist sicher Amelinghausen, ansonsten findet man überall rund um Lüneburg schöne Heideflächen für den Spaziergang.

Extra-Tipp: Wer von Hamburg aus nach Lüneburg startet, sollte einen kleinen Schlenker machen, um den Waldlehrpfad und Aussichtsturm Heide Himmel im Wildpark Lüneburger Heide zu besuchen – das lohnt sich wirklich, nicht nur des Ausblicks wegen…

Andrea Abrell